DER, WORTSCHATZ UND DIE GRAMMATIK.
55
tragung in gutes Deutsch zeitweise eine Besprechung in derfremden Sprache treten.
5. Der Wort- und Phrasenschatz. Der in den Lehr-plänen von 1882 eingenommene Standpunkt, wonach derWortschatz für die Lektüre zu erwerben ist, scheint 1891noch beibehalten, während 1901 ganz im Sinne der Reformverlangt wird, er sei möglichst aus dazu geeigneten Lese-stücken und im Anschlufs an die Anschauung von Bildernund Vorgängen zu gewinnen.
6. Die Grammatik. Grofsen Wert legen die Plänevon 1891 auf die „grammatisch-logische Schulung,“ die an
den lateinlehrenden Schulen besonders der lateinischen
*
Grammatik, an den lateinlosen Schulen der französischenGrammatik und den entsprechenden Übungen zufällt. Wennimmerhin geraten wird, man solle das Verständnis der Formenund Regeln induktiv durch Beispiele und Mustersätze vor-bereiten, so ist die Reform der Ansicht, dafs die Grammatikwesentlich aus den Beispielen, dem Sprech- und Lesestoff, zugewimien sei. Nur so wird der grammatische Unterrichtvon dem Fluch der Langeweile befreit, und das Selbstfinden,Selbsterarbeiten kommt dem Wissen sowohl wie der Ver-standes- und der Charakterbildung zu gute. Wird, dieseMethode durchgeführt, so darf man auch auf die feste ge-dächtnismäfsige Einprägung der Formen und der wichtigerensyntaktischen Regeln verzichten, die den Lehrplänen von1891 noch unerläfslich erscheint. Bezeichnend ist für denmethodischen Fortschritt der neuesten Lehrpläne die Forderung,ein wenn auch möglichst vereinfachtes System müsse„ schliefsli ch“ — also nicht mehr zu Anfang! — vor denÄugen der Schüler stehen. Französisch oder englisch ge-schriebene Grammatiken verbieten auch die Pläne von 1901,was angesichts des noch immer möglichen Mifsbrauchswohl zu begreifen ist. Das bedeutet aber nicht etwa eineEmpfehlung der auf das Deutsche zugeschnittenen Über-setzungs-Grammatik, mit der ich mich früher auseinander-gesetzt habe. Sei die Grammatik französisch und englisch,