Wie bei dem großen Tschechen Comenius und bei dem großen SchweizerPestalozzi war auch dei diesem großen deutschen Pädagogen das äußere Lebenein viel zerrissenes. Aber durch sein Inneres geht von früh aus einbeherrschendes und ersolgreiches Streben nach Einheit. Was so häufig zu-sammenhanglos neben einander herläuft oder gar in unvereinbarem Gegensatzsteht, Naturerkcnntnis und Religion, das ging bei ihm sein ganzes Lebenhindurch unmittelbar einig und zusammen. Die Erziehung soll »ach ihmden Menschen zur Klarheit über sich und in sich, zum Frieden mit derNatur und zur Einigung mit Gott leiten, und in der gesuchten und ge-fundenen „Lcbcnseinignng" sah er selbst sein eigenes Wesen und seinegeschichtliche Bedeutung. Im Nngesichte des Todes wagte er von sich daskühne Wort: „Ich erkenne mein Leben als ein durch und durch in sicheiniges; lange ist kein solches in der Menschheit erschienen: es hat sich auchnur unter seltenen Umstünden dahin emporarbeiten können. Aber es ist dieBedingung für die Erfüllung der Forderung der Zeit."
Unausgesetzte Selbstbeobachtung und Sclbsterziehnng waren das Rückgratdieser Einheitlichkeit seiner Persönlichkeit. Sie zu üben, bot sein äußererLebensgang reichlichen Anlaß. Mutterliebe hatte dem am 21. April 1782geborenen Kinde gefehlt, auch dem Baker, einem thüringischen Landpfarrer,sah es durch die Stiefmutter sich entfremdet: aber im Leben mit der Naturfand der Knabe sein Genüge: sie wurde ihm das Zentrum aller seinerWünsche, seines Schncns: jedoch etwas Höheres, Unerklärbares schien ihmin ihr zu leben und trieb ihn zu der Frage: Was ist dieses Einzige?
Mit 1."> Jahren Försterlchrling, besuchte er 19 jährig die UniversitätJena, verließ sie zwei Jahre später, wurde Landmann, nach seines BakersTode Forstamtsaktuar, war dann bei Landvermessungen und als landwirtschastlicher Sekretär tätig. Mit 2k> Jahren im Begriff, Architekt zu werden,empfing er durch den Schulmann Grüner in Frankfurt a. M-, einenSchüler Pestalozzis, den Anstoß, seinem Streben, „die Menschen ihnen selbstzu geben", durch Eintritt in die Erzichertätigkeit eine Bahn zuschaffen. Er ward Lehrer in Frankfurt, dann Hauslehrer, nahm als solcherseinen Zögling zu Pestalozzi für zweijährigen Aufenthalt in Werdanmit und begann nach Beendigung seiner Hanslehrertätigkeit als 29 jährigerabermals akademische Studien in Göttingen und Berlin, nahm 1812 an denBefreiungskriegen teil, wo er unter den Lützow-Jägeru seine späteren Mitarbciter Langcthal und Middendvrsf kennen lernte, und ward noch imselben Jahre Assistent am Mineralogischen Museum in Berlin. SeinenPlan eines eigenen ErziehnngsinstitutS reifte die Notwendigkeit, drei Söhneseines verstorbenen Bruders zu erziehen. So eröffnete er 1819 i» demschwarzburgischen Dorfe Gricshcim seine allgemeine deutsche Erziehungsanstalt,die ek im folgenden Jahre nach Keilhan bei Rndolstadt verlegte. Hier schrieb