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Rollin als Pädagoge : ein Beitrag zur Geschichte der Pädagogik / von Gustav Völcker
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30
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führt Rollin auf die Vernachlässigung des französischen Unter-richtes zurück. Er selbst will der damals beginnenden Verein-fachung und Ausstossung gewisser Consonanten nicht wider-sprechen, namentlich in Wörtern lateinischer und griechischerAbstammung, wie thresor, throsne, debte, roy, estre, escrire u. a.Im allgemeinen neigt er sich übrigens zu dem phonetischenSystem der Orthographie, er schreibt z. B. ecrire (früher escrire),dagegen escrine, beides der damals geltenden Aussprache wegen,ja er schlägt sogar vor zu schreiben: je fesais, nous fesons. Beidem starken Schwanken zwischen der historischen und der phone-tischen Orthographie müssen sich die Lehrer der einzelnenSchulen über die von den Schülern zu beobachtendeSchreibweise vereinigen, damit sie nicht dieselbe in denverschiedenen Classen zu ändern genöthigt werden. Den Lehrernempfiehlt Rollin zur Benutzung die Grammatik von Regnier,die Gramaire generale et raisonnee von Arnauld, die remarquesvon Vaugelas, Th. Corneille, Bouhours, für die Schüler möchteer eine grammaire abregee geschrieben haben, die nur die noth-wendigsten Regeln enthielte. — Bei der Lectüre französischerStücke begnüge man sich nicht damit, grammatische Regeln zubesprechen, man mache aufmerksam auf die Eigenthümlichkeit,Richtigkeit, Kraft der Ausdrücke und Wendungen, noch mehrauf die Tüchtigkeit und Wahrheit der Gedanken und der Dinge,man lasse die Folge und Anordnung der verschiedenen Beweiseund Theile eines Stückes beobachten. Aber alle dem ziehe manvor was fähig ist das Herz zu bilden, was edle Gefühle, Ver-achtung des Reichthums, Liebe zum öffentlichen Wohle einflössenkann, kurz, alles was zum braven Menschen und zum wahrenChristen gehört. Die Lesestücke müssen stilistisch möglichstvollkommen und geschichtlichen Inhalts sein, namentlich für dieunteren Classen,*) für die sich am besten die historischen Bücherdes alten Testaments eignen. Für die folgenden Classen sind

*) Zur Orientirung über die Eintheilung der französischen Gym-nasien sei folgendes bemerkt: Das College (oder lycee) ist eingetbeilt(schon lange vor Rollin) in 3 Theile: die Classen VIII und VlI (zuZeiten auch IX) bilden die Division elementaire, das untere Gymna-sium ; VI, V und IV die Division de grammaire, das mittlere; III, IT,P> oder Rhetorique und I a oder Logique (früher Philosophie) bildendie Division superieure, das obere Gymnasium. — Das Lateinischewurde meist schon in VIII begonnen, das Griechische jetzt in VI.Ein bestimmtes Alter für die einzelnen Classen hat man nie einge-halten, in dem unteren Gymnasium war das Alter in der Regel biszu 11 Jahren, in dem mittleren bis zu 14 und 15, in den oberenbis zu 19.