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Das rechnende Pferd : ein Gutachten über den "Klugen Hans" auf Grund eigener Beobachtungen / von Th. Zell
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So wundert man sich darüber, daß die Experimente,die dem Hengste fremde Personen mit ihm vornehmen,durchaus nicht in gleicher Weise glücken, wie wenn seinHerr die Fragen stellt.

Nur wer von den Gewohnheiten und Eigentümlich-keiten der Tiere keine Ahnung hat, wird hierüber erstauntsein. Jeder weiß, daß ein Kind, das tadellos im Familien-kreise ein Gedicht deklamiert oder ein Liebchen singt, häufig,wenn es dieselbe Leistung vor Fremden zum besten gebensoll, hierzu nicht imstande ist, sondern elendiglich steckenbleibt. Bei Tieren spielt nun die Gewohnheit eine zehn-mal größere Rolle (vgl. mein Buch S. 10). Ein Schäfer-hund, der bei einer Probevorführung mit seinem Herrntadellos eine Herde trotz aller Hindernisse nach dem ge-gebenen Ziele führt, würde schwerlich mit einem fremdenMenschen das gleiche tun. Wie äußerst tüchtige Menschentrotz ihrer hohen Bildung beim Examen häufig versagen,so ist es die alte Klage, daß manchmal die besten Hundebei öffentlichen Schaustellungen nichts leisten.

Die Abneigung vieler Pferde gegen fremde Personenist bekannt. Die Römer mußten die Pferde der besiegtenGermanen töten, weil sie sich von den Siegern nicht be-steigen lassen wollten. An einer anderen Stelle berichte ichvon einem Fall, wo der eigene Herr abgelehnt wird, weil erkeine Uniform mehr trägt.

Ebenso darf man von einem Tiere keine Leistung ver-langen, die ihm nicht liegt. Ich erwähne in meinem Buche(S. 42) den Fall, wo ein Gelehrter von einem Hundeverlangt, daß er einen Ring benutzt, um seinen Käfig zuöffnen. Daß das Gelingen oder Nichtgelingen solcher Hand-lungen keinen Beweis für die Intelligenz oder deren Nicht-vorhandensein ist, weise ich an einer Reihe von Beispielennach. So befreit sich eine in einer Schlinge gefangeneMaus, nicht aber eine Drossel in gleicher Lage, obwohlder Vogel sicherlich nicht dümmer als der Nager ist (vgl.S. 46). Ebenso denkt ein Maikäfer nicht daran, wenn manihn in einen Kreis glühender Kohlen setzt, sich auf diesezu stürzen und zu verbrennen, was der Skorpion gewöhn-lich tut. Auch hier ist das Insekt nicht klüger, sondernes hat nur nicht die Gewohnheit des Skorpions, der alsNachttier am Tage auf den nächsten Gegenstand zu eilenpflegt, um sich darunter zu verstecken.

Ohne Kenntnis der Gewohnheiten und Eigentümlich-