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Auszug aus einem Exposé über die Organisation des gewerblichen Unterrichts in Österreich
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Expose über die Organisation des gewerblichen Unterrichtes.

Zweigen ausgebildet, darunter allein 2200 in bautechnischen, 8244 in maschinen-techniscben, 7400 in chemisch-teclmiscben Fächern etc. Dabei fällt ein höchstbemerkenswerther Umstand dem Beobachter der Frequenzstatistik auf, der Umstandnämlich, dass zum Unterrichte in den grundlegenden, wissenschaftlichen Diseiplinen,wie reine Mathematik, Physik, Theorie der Mechanik etc. ein unvergleichlichgrösserer Andrang stattfindet als zur Lehre von der Anwendung dieser Wissen-schaften auf die gewerbliche Praxis. Diese merkwürdige Erscheinung in dempractischen England empfiehlt sich der Aufmerksamkeit jener numerisch nichtunbedeutenden Partei österreichischer Gewerbetreibenden, welche einerseits gewerb-liche Unterriehtseinrichtungen vom Staate fordert und doch anderseits jeden wirk-lichen Unterricht alsunpraetiseh perhorrescirt. In England sind augenscheinliehdie industriellen Classen, ebenso wie die Regierung von der Ansicht durchdrungen,dass öffentliche Unterrichtseinrichtungen für den Gewerbestand nicht den Zweckhaben können, mit der Werkstatt durch Abrichtung in practischer Hantirungzu concurriren, sondern dass ihre Aufgabe vielmehr darin besteht, jenes Wissenund Können zu vermitteln, das in der Werkstatt nicht mitgetheilt werden kann.Schule und Werkstatt sollen dort einander ergänzen, keineswegs aber in ihrenWirkungskreisen sich decken.

So besitzt England ein in den pädagogischen Principien mit demvon der österreichischen Unterriehtsverwaltung seit einigen Jahren organisirten,congruentes Gewerbeschulwesen. Science-Schools bestehen in England als reineStaatsanstalten in einigen Landeshauptstädten. Ausserdem gibt es eine grosse Zahlvon Staatsorganen überwachter und unter der Bedingung der Einhaltung einer ingewissen Grenzen vorgeschriebenen Organisation vom Staate reich subventionirtertechnischer Schulen.

Der Staat schreibt vor den Bildungsgrad der aufzunehmenden Schüler, dieDiseiplinen, auf welche der Unterricht sich zu erstrecken hat, sowie deren Auf-einanderfolge. Dabei sind für die Intensität, mit welcher jede Disciplin tradirtwird, drei verschiedene Grade (for elementary examination, for advanced exami-nation, for examination in honours ) zulässig; nur für Mathematik werden siebenGrade angenommen. Jede Schule wählt, entsprechend den localen Verhältnissenund den verfügbaren Mitteln, den Grad des zu ertheilenden Unterrichtes; auchkann sie sich auf einen Theil der vorgeschriebenen Diseiplinen beschränken, darfaber die staatlichen Anordnungen bezüglich der Aufeinanderfolge nicht umgehen.Nach diesen Bestimmungen theilen sich die Science-Schools in Classes (unvoll-ständige oder niedere Schulen), in Schools i. e. S. (vollständige oder mittlereSchulen) und in Schools of an advanced character (höhere Gewerbeschulen) *).Die Royal Schools zu London, Dublin und Edinburg kommen den technischenHochschulen Österreichs und Deutschlands nahe.

*) Für eine vollständige Gewerbeschule ist, wenn von dem montanistischen Curse abgesehenwird, folgender Lehrplan entworfen:

1. Jahrescurs: Mathematik (Planimetrie: 1. Buch des Euelid und Algebra bis zu einfachenGleichungen), Freihandzeichnen, Geometrisches Zeichnen, PhysikalischeMechanikiElemente der Acustik und der Lehre von Licht und Wärme.