(Besonderer Abdruck aus dem Gewerbeblatt für Württemberg, 187L, Nr. 45.)
Die weiblichen Fortbildungsschulen in Württemberg.
Unsere gewerblichen Fortbildungsschulen für den weiblichen Nachwuchs ver-danken ihre Entstehung dem Bedürfniß, die aus der Volksschule oder Bürger-schule mit dem 14. Lebensjahre entlassenen Mädchen für die Erwerbsthätigkeitin der Richtung weiter zu bilden, daß sie in den Stand gesetzt werden, die ge-werbliche Buchführung und Korrespondenz in dem Geschäfte ihrer Eltern oderspäter in demjenigen ihres Ehemanns oder in einem eigenen oder fremdenGeschäfte zu besorgen, wie auch im Telegraphen-, Post« und Eisenbahndienste sichbrauchbar zu erweisen, oder bei vorhandenem Talent durch Fertigkeit imZeichnen und Malen sich fortzubringen.
Der Vortheil einer solchen Ausbildung ist einleuchtend; durch die Her-anziehung der Frauen und Töchter zu Geschäften der erwähnten Artwerden neue Arbeitskräfte gewonnen, welche vermöge ihrer natürlichen An-lagen die ihnen zugewiesenen Geschäfte mindestens ebensogut besorgen alsdie Männer, und welche als ohnedieß vorhandene Familienmitglieder häufiggar keinen besondern Aufwand verursachen. Ferner wird durch den Unterrichtin der Gesundheitslehre ihnen die Wichtigkeit einer geregelten Lebensweise fürihr eigenes physisches Wohl zum Verständniß gebracht, und auf die Heranzie-hung eines gesünderen Nachwuchses hingearbeitet. Die Bildung des weiblichenGeschlechts im Gewerbestande wird hiedurch eine bessere und zugleich ernstere,ihre Thätigkeit für die Familie eine wichtigere und einflußreichere, und dasFamilienleben kann damit nur gewinnen; den Töchtern wird aber eine solcheBildung die Aussicht auf eine vortheilhaftere Verwendung auch außer derFamilie und eine würdigere Stellung gewähren; nicht selten wird sie sogar alswichtige Mitgift bei der Verheirathung gelten.
Den Anfang zur Pflege dieses Unterrichtszweigs in Württemberg machteauf eine aus der K. Centralstelle für Gewerbe und Handel hervorgegangeneAnregung vor etwa 20 Jahren der inzwischen verstorbene Gewerbelehrer B e-ger in Stuttgart, indem er zu dem genannten Zwecke Privatkurse in Stutt-gart gab. Seine dießfallsige Thätigkeit beschränkte sich jedoch nicht allein auf
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