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Den Hohen Deutschen Staatsregierungen gewidmete Denkschrift des "Berliner Vereins für höhere Töchterschulen" über Stellung und Organisation der höheren Töchterschulen / Berliner Verein für höhere Töchterschulen
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16
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Mittel- und Fachschulen.

Ob Mittelschulen für die männliche Jugend zu bewahren oder aufzugeben sind, dies zu

beurtheilcn fällt ausserhalb des Kreises unserer Erfahrung. Aber für die weibliche Jugend bleihensie eiue Nothwendigkeit. Denn die Namen höhere und mittlere Schulen, auf Töchterschulen ange-wandt, bezeichnen im ganzen zugleich die gesellschaftlichen Schichten ihres Publikums. Die Töchter

minder wolhahender Geworbsleute oder kleiner Beamten haben auch nach der Sehule in ihren altenKreisen ihre Freundschaften und Lehensaussichten. Hier gibt man den Töchtern gern oine mittlereBildung, mittelst welcher sie ein besseres Fortkommen erhoffen. Bei dem kürzer gesteckten Lehr-

ziel, sofern es mit 14 Jahren erreicht sein muss, tritt die allgemeine Bildung ein wenig zurück,doch ist auch hier theils dieses formalen Bildungszweckes, theils des praktischen Nutzens wegeneine fremde Sprache zu treiben, wozu sich am meisten die französische, schon zum Zweck des Ver-

stehens und Schreibens so vieler technischen Ausdrücke eignet. Besonders zu üben und zu beson-derer Fertigkeit darin zu führen sind Schönschreiben, Zeichnen, Handarbeiten, Kopfrechnen, Buch-

führung, Briefstil, Geographie, Naturkunde, und zwar immer im Ausblick auf ihre spätere gewerblicheoder häusliche Verwertung. Dass aber hier schon Kurse in der Krankenpflege, in der Apotheker-kunst usw. angeschlossen werden sollen, ist nicht zu empfehlen. Dies bleibt besonderen

Gewerblichen Fachschulen tiberlassen, deren Einrichtung beim Mangel an ausrei-

chender Erfahrung zunächst den Privathänden anheim zu geben ist.

Ueberhaupt ist es unsere Ueberzeugung, dass wie sehr auch allgemeine Grundzüge für einegleichmässigo Organisation des Mädchenunterricbtes demselben zum Nutzen gereichen würden, doch

die bisherige Freiheit der Bewegung, mittelst welcher die höheren Töchterschulen einen ganz gedeih-

lichen Aufschwung genommen, durch enge Normen nicht allzusehr beschränkt worden dürfen, da dieAnsichten über den ganzen Gegenstand noch nicht zu genügender Klärung gekommen sind.

Vorstehende aus Erfahrung und Ueberlegung geflossenen Auffassungen über das Wesen unddie Organisation der höheren Töchterschule bitten die Mitglieder des Unterzeichneten Vereins zuhochgeneigter Prüfung den Hohen Deutschen Staatsregierungen unterthänigst unterbreiten zu dürfen.

Berlin, den 30. Januar 1873.

Der Berliner Verein für höhere Töchterschulen.

13er* Vorstand.

I)r. Hermes , Vorsitzender. Dr. Briillow. R. Vogeler.Marie Stoephasius. Emilie Ecciiis.