lieber
das Unterrichtswesen in Frankreich,
zum Theil ans eigener Beobachtung.
Deutsche Gelehrsamkeit und deutsche Volksbildung haben im Auslande einen so gutenRuf, dass Fremde die deutschen, besonders die preussischen Schulen besuchen, umEinrichtung und Lehrmethode kennen zu lernen und je nach Umständen die gemach-ten Erfahrungen für das eigene Land zu benutzen. Unsere Volksschule hat zuerstdie Aufmerksamkeit auf sich gezogen, und von anderem abgesehen, bildet unser Grund-satz des Schulzwanges für andere Nationen einen wichtigen Punkt öffentlicher Dis-cussion; obwohl noch mannigfach als Härte ausgelegt, bricht er sich in mehrerenStaaten dennoch Bahn, vor allem in Frankreich, das uns hier beschäftigt, wo diesewichtige Frage alljährlich in den Kammern erörtert wird. —
Das von Guizot abgefasste Gesetz vom 28. Juni 1833, das, obwohl in Einzel-heiten abgeändert, noch heute die Grundlage des französischen Elementarunterrichtsbildet, verordnet, „ dass die Gemeinden verpflichtet sind , für die Bedürfnisse, des Ele-mentarunterrichts zu sorgen ein Grundsatz, der zwar schon von den Volksvertretungender ersten Revolution ausgesprochen, aber inmitten der politischen Umgestaltungen,die unaufhörlich vor sich gingen, nie ins Leben gerufen wurde. Auch die jetzigeRegierung zeigt sich bemüht, den Volksunterricht zu verbessern und zu verallgemei-nern, und wir lesen in statistischen Berichteu von der stätig abnehmenden Zahl der-jenigen, die nicht lesen und schreiben können. Es wäre dies recht erfreulich, wennnur nicht ein Mangel fortbestände, der sonderbarer Weise bei der Besprechung derVolksschule selten ins Auge gefasst wird; es ist der zu kurze Schulbesuch, an demFrankreichs untere Klassen leiden; ein Uebelstand, der in den Verhältnissen liegt undauch nicht schwinden wird. Die Söhne der Arbeiter, Bauern und niederen Hand-werker, insofern sie überhaupt die Schule besuchen, verlassen sie gewöhnlich imzwölften, höchstens dreizehnten Jahre, und in den Fabrikbezirken, wo der Schul-besuch mit noch grösserer Gewalt erzwungen werden muss, als es leider schon beiuns der Fall ist, geht er womöglich noch früher zu Ende. Es w r ird der französischenFamilie in den erwähnten Ständen, obwohl im Allgemeinen ärmer an Kindern als beiuns, dennoch schwerer sie zu erhalten, und früh tritt der Wunsch ein, sie zu Mit-ernährern zu machen. In Paris und anderen grossen Städten genügt schon die
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