1. Der Wandel des Lehrers in seiner Bedeutungfür die Verwaltung des Schulamtes.
Von Rektor Dr. Gitschmanu.
2. LlM. 1, 7.
Unter den Faktoren, welche bei der planmäßigen Einwirkungauf den Zögling von entscheidendem Einflüsse find, nimmt nächst derFamilie der Lehrer den vordersten Platz ein. Was Cicero undQuintilian von dem Redner verlangen, daß er im edelsten Sinnedes Wortes vir bcmus (ein guter Mann) sei, das wird mit nochgrößerem Rechte von denen, welche die Jugend zu Intelligenz undSittlichkeit führen sollen, gefordert werden können. Da das Ziel deserziehenden Unterrichts die Bildung eines sittlich-religiösen Charaktersist, so muß nach dem alten Worte, daß nur wer hat, geben kann, derErzieher selbst ein sittlich-religiöser Charakter geworden sein. DasEbben und Fluten seines Bewußtseins darf nicht durch die erstenbesten äußeren oder inneren Antriebe veranlaßt, sondern muß durchVorstellungsgebilde von festem Gepräge und innerer Bedeutung, durchdie praktischen Grundsätze geregelt sein. Schon aus dem Erziehungs-ziele folgt also, daß der Lehrer seinen Schülern ein Muster in jederPflichtübung sei.
Nichts senkt sich, wie John Locke sagt, so sanft, unmerklich undtief in der Menschen Herzen ein, wie Beispiele; sie beruhen jaauf dem jedem Kinde angeborenen Triebe nach unbewußter Nach.ahmung. Was alle Argumente, alle Lehre und Ermahnung nichtvermögen, wirkt das vorbildliche Leben, das konstante, persönliche,mustergültige Beispiel, der sittliche Anschauungsunterricht.Diese Wahrheit ist keine andere, als die, welche der Apostel 1. Petr.S,3 ausspricht: „Werdet Vorbilder der Herde!" (Vgl. Tit. 2,7 f.;1. Tim. 4,12). Es ist die Wahrheit, daß der Lehrer mehr nochdurch seine gesamte Persönlichkeit, durch die Würde und den un-mittelbaren Zauber seiner ganzen Erscheinung und seines Charakterserzieht und lehrt, als durch sein Wort, und daß nur in der völligenHarmonie von Wort und That des Lehrers die einzig zuverlässige