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Der Wandel des Lehrers in seiner Bedeutung für die Verwaltung des Schulamtes / von Gitschmann
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Die wahre Liebe ist aber gleichweit entfernt von der schwäch-lichen Nachsicht und Konnivenz, welche zu den jugendlichen Un-arten und Thorheiten nicht einmal sauer zu sehen wagt, von jenereitlenAffenliebe", welche auch die verkehrten Triebe und Neigungennährt und großzieht, von jenerweichen Schlaffheit und welken Ge-lindigkeit" (Herder, Von der Scheu und Achtung der Lehrer gegendie Schüler), wie von der ungebändigten Heftigkeit, die imZorn sich zum rohen Büttel erniedrigt und oft nur sündlich eigeneRache übt; sie zeigt sich nicht in der Erschleichung der Gunst aufKosten anderer, nicht in gehäuften Beteuerungen der Zuneigung undFreundschaft, sie gebietet vielmehr keinen Fehltritt ungerügt undkeinen Fehler ohne den Versuch der Besserung zu lassen, denn auchdie Strafe soll stets das Werk der erziehenden, erbarmenden Liebefein. Liebe und Vertrauen ruhen nur auf dem Grunde der Achtungfest und sicher und sind noch nie von den Zöglingen unvergolten undunerwidert geblieben; denn das Kind bedarf der Liebe als Stütze').

Der Erzieher darf deshalb nicht in unnahbarer Höhe schwebenund seine Amtswürde mit reizbarer Empfindlichkeit und Eifersuchtbewachen"), er wird seinen Zöglingen entgegenkommen undsich ihnen anschließen, wird mit ihnen viel Zusammensein undzusammenleben, auf ihre Vorstellungen, Gefühle, Neigungen undInteressen eingehen und ihnen durch die That die Fähigkeit wie dieGeneigtheit beweisen, auch mit ihnen froh und heiter sein zukönnen. Er wird für die Abwendung alles dessen, was ihnen schadenkann, sorgen, ihre Angelegenheiten und Wünsche zu den seinigenmachen und unermüdlich bereit sein, ihnen mit Rat und Hülse bei-zustehen. Dieses Herablassen zu den Kindern ist aber nur dieVorstufe, es soll dadurch nur das Vertrauen zu dem Lehrer gewecktwerden: er beabsichtigt, sie zu sich emporzuziehen, sie an seineneigenen Gedanken und seinem Geistesleben teilnehmen zu lassen. Dasist freilich viel schwieriger, weil der Vorstellungsinhalt des Lehrersqualitativ und quantitativ weit über den des Schülers hinausragt.Die Gleichheit der Verhältnisse läßt sich aber leicht ermöglichen durchHerstellung eines näheren und wirklich vertraulichen Verkehrs, durchTeilnahme an ihren Freuden, Leiden und Beschäftigungen, z. B.durch gegenseitige Unterstützung beim Anlegen naturhistorischer Samm-

Sturme der Leidenschaft, nicht im Beben desZorns und nicht im Feuerdes Hasses, sondern nur im stillen, sanften Säuseln der Liebe wohnt.(1. Kön. 19, 1113).

') Vgl. L. Kellner, Zur Pädagogik der Schule und des Hauses.

") Oiesro, äs nat. äsor. I, 5, 10 obsst plsrnmqns üs, qui äisosrsvolunt, auotorltas sornw, qui ss äoesrs xrolltontnr. Auch Montaigneund Rousseau machen hierauf aufmerksam.