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Lesebuch für das vierte Schuljahr
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ten die weisen Frauen das Kind mit ihren Wunder-gaben: die eine mit Tugend, die andere mit Schön-heit, die dritte mit Reichtum und so mit allem, wasauf der Welt zu wünschen ist, Als elfe ihreSprüche eben getan hatten, trat plötzlich die drei-zehnte herein. Sie wollte sich dafür rächen, daßsie nicht eingeladen war, und ohne jemand zugrüßen oder nur anzusehen, rief sie mit lauterStimme: „Die Königstochter soll sich in ihrem fünf-zehnten Jahr an einer Spindel stechen und tot hin-fallen.“ Und ohne ein Wort weiter zu sprechen,kehrte sie sich um und verließ den Saal. Allewaren erschrocken; da trat die zwölfte hervor, dieihren Wunsch noch übrig hatte, und weil sie denbösen Spruch nicht aufheben, sondern ihn nur mil-dern konnte, so sagte sie: „Es soll aber kein Todsein, sondern ein hundertjähriger tiefer Schlaf, inwelchen die Königstochter fällt.“

Der König, der sein liebes Kind vor dem Un-glück gern bewahren wollte, ließ den Befehl aus-gehen, daß alle Spindeln im ganzen Königreichesollten verbrannt werden. An dem Mädchen aberwurden die Gaben der weisen Frauen sämtlich er-füllt ; denn es war so schön, sittsam, freundlich undverständig, daß es jedermann, der es ansah, liebhaben mußte. Es geschah, daß an dem Tage, woes gerade fünfzehn Jahre alt ward, der König unddie Königin nicht zu Haus waren und das Mädchenganz allein im Schlosse zurückblieb. Da ging esallerorten herum, besah Stuben und Kammern, wiees Lust hatte, und kam endlich auch an einen altenTurm. Es stieg die enge Wendeltreppe hinauf undgelangte zu einer kleinen Türe. In dem Schloß