Buch 
Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
Entstehung
Seite
22
JPEG-Download
 

22

denkt man nicht gerne. Sieh, liebes Kind, ich traue meinem Gott.Im Leben hat er mich nicht verlassen, im Sterben wird er es auchnicht thun; er wird meinen Geist nicht verstoßen, ich glaube es mitaller Freudigkeit; aber es ist noch nicht vollbracht, darum darf ich nichtablassen mit Ringen und Bitten, bis ich es ergriffen habe. Darumjammert und weinet nicht. So lange wir noch beisammen sind, wollenwir uns freuen in aller Liebe und allein Frieden. Schöneres undBesseres ist ja nichts auf der Welt."

So stillte der Großvater den Jammer.

Als Mutter und Tochter draußen waren, lag der Großvater stillein seinem Bette, auf der Decke waren die Hände gefaltet, und übersein Gesicht kam ein friedliches Leuchten. Er dachte, und sein Gedankewar eigentlich ein Dankgebet, wie er doch glücklich sei, in so hohemAlter solche Liebe zu besitzen, daß er niemand verleidet, daß man seinernicht müde sei, gerne ihn länger behalten wolle und mit Freuden mehran ihm thue, als er verlange. Und wenn es schon noch länger daure,dachte er, wäre es immer das Gleiche; ihr Gutmeinen sei so groß,daß man ihm nicht so bald z'Bode chäm. Dafür habe er dem liebenGott zu danken, daß er ihm so gute Menschen gegeben; denn waskönne ein alter Mensch mehr und besseres verlangen als das. Aberes werde ihnen auch vergolten werden von Dem, der init seinem Segenguten Kindern Häuser baut und ihre Wege ebnet.

Unterdessen hatten die Kirchgänger sich gerüstet. Zum offenenFenster hinaus sah der Großvater mit innigem Wohlgefallen seinemBäbeli nach, ein lieblich Röseli in Gottes schönem Garten. Wieer so hinsah und sein Blümeli ihm mehr und mehr entschwand, gingenihm leise die Augen zu, und die beiden Kinder, welche im Stübchenwaren, um seine Aufträge auszurichten, hielten sich still und pläuder-leten nur dann und wann leise ein Wörtlein miteinander.

17. Nach oben!

H. Alex. Seidel, aus Sudhoff, Weihestunden.

^sach oben zeigen die Wipfel all',nach oben steigt der Lerche Schall.

Nach oben schauen die Blümelcin,nach oben lockt sie der Sonne Schein.Nach oben glänzen die Wasser mild,drum glänzt auf ihnen des Himmels Bild.

O Mensch, da Alles nach oben zeigt,warum ist dein Herz zur Erde gebeugt'?Da Alles dich weiset dem Himmel zu,warum stichst du hier unten die Ruh?Nach oben ruft dich gar dringend das Wort,und du träumst immer hier unten fort?