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»8. Das Gericht über Jerusalem.
Nach Ahlfeld und Oehninger.
Das Gericht über das Volk der Juden, das den Herrn verworfenhatte, da er auf Erden unter ihnen wandelte, säumte nicht. 40 Jahreblieben den Kindern Israels noch übrig von der Zeit ab, da sie ihrenErlöser ans Kreuz genagelt hatten. Sie verfolgten auch die Apostel desHerrn, wie ihre Vater den Propheten gethan hatten. So geschah dennendlich dem verblendeten Volke, wie es ausgerufen: „Sein Blut kommeüber uns und unsere Kinder!" Es ging das Wort des Herrn in Er-füllung: „Es wird die Zeit kommen, daß deine Feinde werden um dichund deine Kinder eine Wagenburg schlagen, dich belagern und an allenOrten ängstigen, und werden dich schleifen und keinen Stein auf demandern lassen, darum daß du nicht erkannt hast die Zeit, darinnen duheimgesucht bist."
Das Joch der Römer, das auf den Juden lastete, wurde je längerdesto drückender. Die römischen Statthalter nahmen wenig Rücksichtauf die religiösen Gefühle des Volkes; nur mit Mühe konnte KaiserCaligula davon abgebracht werden, sein Bildnis im Tempel aufstellenzu lassen. Nachdem Israel den wahren Messias verworfen hatte, standenauch falsche Propheten auf, die eine nahe Erlösung verhießen und dazuaufforderten, das römische Joch abzuwerfen. Der Haß gegen die Be-drücker wurde immer größer. Unter dem letzten römischen StatthalterGessius Florus brach die Empörung endlich aus, und ein Kampf aufLeben und Tod begann. Florus hatte den Tempelschatz weggenommen,3000 Juden in Jerusalem niederhauen und viele Vornehme geißelnund kreuzigen lassen. Doch er mußte mit seiner Besatzung weichen, ebensoder ihm zu Hülfe eilende Statthalter von Syrien. Jetzt erhob sich dasJudenvolk wie ein Manns; Jerusalem und viele andere feste Plätzewurden in Berteidigungszustand gebracht, alles wurde bewaffnet. Nachder Vertreibung der römischen Truppen und Beamten war es eine Zeitlang frei von der römischen Herrschaft. Aber in dieser Freiheit ginges ihm schlimmer, denn zuvor. Das ganze Land war von Räuber-banden durchschwärmt; diese plünderten Dörfer und Städte. Endlichsetzten sich die wilden Rotten in der herrenlosen Stadt Jerusalem fest.Hier kämpften sie gegen einander und gegenchie friedlichen Bewohner derStadt. Sie zogen durch die Straßen und raubten', mordeten undplünderten.