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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Da erschien, vom römischen Kaiser gesandt, der Feldherr Vespasianussamt seinem Sohne Titus mit erprobten Kerntruppen auf dem Schau-platz und drang langsam von Norden nach Süden vor. Die Christenaber, eingedenk der Weisung des Herrn (Matth. 24), flohen außer Landesnach Pella. Gottes Zorn waltete über dem unglücklichen Lande. Trotzverzweifelter Gegenwehr verloren die Juden eine Stadt und Festungnach der andern. In zwei Sommern, 67 und 69, führte Vespasian denKrieg und nahm alles in Besitz, außer Jerusalem, wo die Parteikämpfeaufs höchste gestiegen waren. Noch einmal ruhte der Krieg, weil Vespasiannach dem Tode Neros von seinen Legionen zum Kaiser ausgerufenworden und nach Italien geeilt war, um dort mit Nebenbuhlern um dieKrone zu kämpfen. Erst im Frühling 70 nahm Vespasians Sohn, Titus,den Krieg wieder auf und rückte rasch von Cäsarea her vor Jerusalem.

Am Osterfeste, zu welchem wohl eine Million Menschen in derheiligen Stadt versammelt waren, fing die Belagerung an. Immerhinhatten die Juden in Titus einen barmherzigen Feind. Er forderte siegütlich zur Unterwerfung aus. Zum Dank dafür verwundeten sie seineFreunde, die er zu ihnen sendete, mit ihnen zu reden. Da brauchte erGewalt. Aber die Juden kämpften wie'Verzweifelte, und die Römerkonnten Jerusalem nicht erobern. Endlich ließ Titus um die ganzeStadt eine Mauer errichten. Nun stieg das Elend drinnen bald sehrhoch; es entstand eine große Hungersnot. Man nagte das-Leder vonden Schilden, aß Gürtel, Schuhe und Dinge, die man gar nicht nennenmag. Viele starben eines schrecklichen Hungertodes. Endlich konnte manin der Stadt die Toten nicht mehr beerdigen, und man warf wohl an600 000 Leichen über die Mauer in die Schluchten der Berge. Vielestahlen sich heimlich aus der Stadt und flohen in das römische Lager.Sie waren vor dem Hunger geflohen und starben hier am Essen; dennsie konnten ihre Gier nicht zähmen. Noch gräßlicher erging es andern.Im römischen Heere dienten viele Syrer und Araber; diese hatten er-fahren, daß viele Überläufer ihr Gold verschluckt und im Leibe mitherausgebracht hätten. Da sollen sie in einer Nacht 2000 von ihnenaus Goldgier den Leib aufgeschlitzt haben. Die Römer, wütend überdie Halsstarrigkeit und die Grausamkeit der Juden, ließen eine Mengederselben ans Kreuz schlagen. Josephus, der jüdische Geschichtsschreiberdieses Krieges, will selbst mehrere Hundert solcher Gekreuzigten gesehenhaben, als er einst mit Titus um die Stadt ritt.