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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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zu bunt. Ein Schuhmacher, brummte er, wird aus dem Jungen seinLebtag nicht, sonst würde er hübsch zur Erde und den Leuten auf dieFüße sehen, statt daß er den Kopf wie ein Spatz in die blaue Lufthineinstreckt. Aber die Mutter beschwichtigte ihn dann bald und sprach:Vater, laß den Jungen gewähren; es ist ja doch besser, obenhinausin den lichten Himmel, als in die dunkle Erde zu schauen; dazu hater im Alter Zeit genug". Da ließ er den Knaben wieder gewähren.

Nun kam allmählich die Zeit heran, wy Hans ein Handwerk lernensollte, und da er nach seines Vaters Ausspruch zum Schuster verdorbenwar, so sollte er das Handwerk seines Paten erlernen, der ein braverSchornsteinfegermeister und bei allen Leuten in der Nachbarschaft sehrangesehen war. Hans 'gefiel das Ding auch nicht so ganz übel. DieMutter sagte, sie habe prophezeit, was aus ihrem Hans werden müsse:sie hatte ja immer gesagt:Der will hoch hinaus". Dahin kam esnun. Mutig und gewandt, wie Hans Lustig war, schlüpfte er bald inden höchsten Häusern oben zu den Schornsteinen hinaus; er wußte nichtsvon Schwindel, machte allerlei possierliche Faxen mit seinem Besen, undsein rußiges Gesicht lachte hinein in den blauen Himmel und hinabüber die Stadt; dabei sang er wie ein Vogel auf dem Wipfel desBaumes. Da oben war's ihm so wohl, daß es ihm fast leid that, wenner wieder hinunter mußte zu den Menschen, auf den Boden. Erwünschte, auch so leben zu können, wie der alte Türmer dort auf demTurme der Stadtkirche, der hoch oben seine behagliche Behausung hatte.Morgens, mittags und abends als Stadtzinkenist einen frommen Choralblasen und den Einwohnern das Zeichen geben, wenn Feuersgefahr inder Stadt oder deren Nachbarschaft war: das dünkte ihm ein erwünschtes,freies und zugleich nützliches Leben. Wenn unser Hans wieder in denStraßen umherging, machte er seinen Namen immer zu einer Wahrheitund war eben der Hans Lustig. Wie er so dahinschlenderte, mit Leiter,Besen und Kratzeisen auf der Schulter, schwarzberußt, barfüßig in denPantoffeln, die der Vater aus einem Paar alter Stiefel geschnittenhatte, da schaute ihm stets die helle Gutmütigkeit aus den Augen.Wenn ein Bund Stroh oder ein Stück Holz von einem Wagen herab-fiel, so lief er straßenweit nach, um es dem Fuhrmann wieder zu bringen.Die Erwachsenen hatten den Hans Lustig lieb und die Kinder auch.Wollte man sie mit dem Kaminfeger fürchten machen, so lachten sie;sie wußten ja, daß das niemand anders war als Hans Lustig, der