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In kurzem war ich einheimisch hier. Ein Mädchen reichte mir Thee,und der Knabe röstete eine Brotschnitte am Kaminfeuer. Bald war auchein Gespräch im Gange. Da erfuhr ich denn aus dem Munde meinesWirtes als Ursache seiner Lähmung folgende Geschichte. .Vorige Woche',sagte er, .ging ich mit meiner Flinte auf die Entenjagd. Auf dem Heim-wege — die Sonne stand schon am Rande der Berge — sah ich einenBaren von ungewöhnlicher Größe — Sie werden sein Fell draußen ge-sehen haben — ganz wohlgemut vor mir Hertraben. Ich hatte noch einenSchuß in meiner Flinte, und da die Entfernung nicht groß war, feuerteich sie auf den Bären ab. Dieser stürzte zu Boden, raffte sich aberunverzüglich wieder auf und lief spornsteichs einer Felsenschlucht zu, diesein gewöhnlicher Aufenthalt sein mochte. Ihn dahin zu verfolgen, warjetzt zu spät; auch fehlte es mir an Waffen, denn Pulver und Blei hatteich weiter nicht bei mir. Ich dachte aber: Du entgehst mir nicht! Einegute Lektion hast du schon, und morgen ist auch ein Tag. Ein Bär isteine gute Beute, wenn er tot ist. Man kann nicht bloß sein Fell brauchen,auch sein Fett ist zu mancherlei Dingen gut — wie gleich jetzt bei mirzum Einreiben — und seine Schinken sind geräuchert ein treffliches Ge-richt. Daß mir diese Beute zufallen würde, bezweifelte ich nicht. Ichhatte bemerkt, daß er Blut verloren hatte, und so konnte ich hoffen, erwerde bis zum Morgen entweder den Geist aufgegeben haben, oder dochhinlänglich geschwächt sein. Ich dachte die ganze Nacht an meinen Bären,und der Tag war kaum angebrochen, als ich mich auf den Weg begab.Die Flinte ließ ich zu Hause, sie war mir unnütz; denn beim Nachsuchenfand sich, daß auch im Hause kein Körnchen Schießpulver war, und inder Nähe liegt kein Ort, wo ich welches hätte bekommen können. Dafürbewaffnete ich mich mit einer Heugabel und einem Beil. Das Beil gabich meinem Jungen zu tragen; denn der ließ mir keine Ruhe, ich mußteihn mitnehmen; und im Grunde ist es auch gut, wenn so ein Jungefrühzeitig etwas sieht. Wir kamen bald an die Stelle, wo ich am Abendnach dem Bären geschossen hatte. Der Platz war mit Blut bedeckt, undeine starke Spur führte ohne Fehl zu der Schlucht, in die sich das Tiergerettet hatte. Diese Schlucht senkt sich auf der einen Seite schroff undsteil, auf der andern bequemer hinab. In der Tiefe braust ein Waldbachdurch abgerissene Felsstücke und überhängendes Gebüsch; und hier, etwashinaufwärts, an der schroffen Seite, wurde ich unter einer grauen Wacke,die wie ein Dach weit hervortrat, meinen Bären gewahr, der, halb vomBuschwerk versteckt, den Kopf schlaff nach der Erde senkte. ,Er macht seinTestament', sagte Billy. ,Nun', antwortet' ich, .wir wollen ihm helfen, undich will die Erbschaft in Empfang nehmen.' Mit diesen Worten stieg ichden Abhang hinab, schritt auf den Steinen über das Wasser und nähertemich dem Feinde mit der vollkommensten Zuversicht. Der Bär regte sichnicht. Schon war ich ihm so nah, daß ich die Heugabel fällen konnte,um ihm den Todesstoß zu versetzen; aber in demselben Augenblicke sprang