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Zürichern zu, sy habind da wol ein gute milchprochen sMilchsuppejaber nütt darin zu krochen. Da luffend redlich gesellen der Zürichernhinzu mit brot, vnd brochetend yn, vnd lag yetweder teyl vff sinemerterych, vnd aaßend die milch mitt einandren. Wenn denn einer oberdie halb Matten vß griff, vnd aaß, schlug im der ander teyl in SchimpfssScherzj vff die Hand, vnd sagt: iß vff dinem erterych. Vnd derenschimpften giengen ettlich me für, daß do es dem Stattmeister vonStraßburg, I. Jacoben Stürmen, der auch vnder den Schidlüthenwas, fürkamm, sagt er: Jr Eydgenossen sind wunderbar Leuth, wennihr schon vneins sind, so sind ir eins, und vergäßend der allten frund-schafft nitt.
SS. Zwinglis Tod.
Nach G. Finsler und F. Oehninger.
Äie letzten Jahre Zwinglis waren von schweren Wolken um-düstert. Er sah zwischen den beiden Glaubensparteien den Krieg un-ausweichlich herankommen und drängte selber dazu. Die Hauptmachtder Züricher, 4000 Mann stark, zog 1529 mit dem Banner über denAlbis nach Kappel. Zwingst ritt, gegen den Wunsch des Rates, be-waffnet mit dem Zuge. Die katholischen Orte waren nicht vorbereitet;aber sie suchten beim Erbfeind der Eidgenossen, bei Österreich, Hilfe.Bern, auf das die Züricher am meisten hofften, zögerte und riet mitden andern Orten und verbündeten Städten zu einer gütlichen Ver-ständigung. Der Landammann Hans Äbli von Glarus verhinderte durchBitten und Thränen im Verein mit andern Schiedleuten den Bürger-krieg. Zwingst war gegen die Vermittlung. „Gevatter Ammann", spracher zu Äbli, „du wirst noch Gott Rechenschaft geben müssen für diesenAufschub. Die Feinde geben dir jetzt gute Worte, weil sie im Sack und»«gerüstet sind. Du glaubst ihnen und scheidest. Hernach aber, wennsie gerüstet sind, werden sie unser nicht schonen, und dann wird auchniemand scheiden". Die Zukunft gab Zwingst recht. — Daß aber auchdas Volk zum Frieden neigte, zeigt dir Erzählung von der KappelerMilchsuppe. —
Im Lager der Züricher herrschte treffliche Mannszucht. Jeder Tagwurde mit Verkündigung des göttlichen Wortes begonnen. Danebengönnte man den Leuten auch fröhliche Kurzweil. Der Reformator, derjeden Gesang aus dem Gottesdienste verwiesen hatte, dichtete zum
Schweiz. Jugendfreund. 14