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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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486
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227. Die Erfindung des Leuchtgases.

Karl Keller, Hausbrot.

^uch unter den Arbeitern in den Werkstätten giebt es Königeund Taglöhner, und das Wort ist wahr:

Wer soll Meister sein? Der was ersann.

Wer soll Geselle sein? Wer was kann.

Wer soll Lehrling sein? Jedermann.

Ein König unter den Arbeitern war der Engländer SamuelClegg, ein Mann voller Gedanken und Entwürfe, der nicht nachließ,wenn er einmal eine richtige Idee im Kopfe hatte, bis er sie auch zurAusführung brachte, und vor keinen Schwierigkeiten zurückschreckte. Erist der eigentliche Erfinder des Leuchtgases, das jetzt Städte, Fabrikenund größere Dörfer erhellt.

In seiner Jugend war er bei James Watt, dem Erfinder derDampfmaschine, in der Lehre, dessen rechte Hand der alte Murdockwar, ein Aufseher sondergleichen. Selbst James Watt hielt keinenPlan für reif, keine Maschine für fertig, bis der alte Murdock mitseinem Bulldoggengesicht dazu genickt hatte. Ihm war die Aufsichtüber die großen Werkstätten anvertraut, und der rastlose Alte durchschlichsie morgens früh, während des Tages und abends spät immer brummend,aber dennoch alles belebend, übersehend, allgefürchtet und angestaunt.Dieser Mann, der sich durch eigene Kraft und großen Fleiß vom Hand-langer aus emporgearbeitet hatte, bewegte auch den Gedanken, ob mannicht das Steinkohlengas, das als „schlagendes Wetter" in den Berg-werken sich entzündet und so großes Unheil anrichtet, als Brennstoffdienstbar machen könnte. Der Scharfblick des Alten hatte dabei indem jungen Samuel Clegg den richtigen Gehülfen herausgefunden,und die beiden rückten manche Stunde des Tages und der Nacht andiese wichtige Sache. Ihre Maschinen waren anfangs sehr einfach.In einem alten Flintenrohr glühten sie die Kohlen, leiteten das Gasin Ochsenblasen, benutzten ein Pfeifenrohr als Brenner, und oft, wennsie in finstern Nächten spät nach Hause gingen, geschah dies beim Scheineines Gasflämmchens, das der Alte damit unterhielt, daß er dieOchsenblase unter dem Arme hielt und beständig die brennbare Lufthinausdrückte.

Im Jahre 1802 konnten sie bei einem Feste schon eine Sonnevon Gasflammen spielen lassen, die zwar noch tüchtig rauchten, aber