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2SS. Der geheilte Patient.
Joh. P. Hebel, Schatzlästlein des rheinischen Hausfreundes.
^^.eiche Leute haben trotz ihrer gelben Vögel doch manchmal auchallerlei Lasten und Krankheiten auszustehen, von denen gottlob der armeMann nichts weiß; denn es giebt Krankheiten, die nicht in der Luftstecken, sondern in den vollen Schüsseln und Gläsern und in den weichenSesseln und seidenen Betten, wie jener reiche Amsterdamer ein Wortdavon reden kann. Den ganzen Vormittag saß er im Lehnstuhl undrauchte Tabak, wenn er nicht zu faul war, oder hatte Maulaffen feilzum Fenster hinaus, aß aber zu Mittag doch wie ein Drescher, unddie Nachbarn sagten manchmal: „Windet's draußen oder schnauft derNachbar so?" — Den ganzen Nachmittag aß und trank er ebenfallsbald etwas Kaltes, bald etwas Warmes, ohne Hunger und ohne Appetit,aus lauter Langerweile bis an den Abend, also, daß man bei ihm nierecht sagen konnte, wo das Mittagessen aufhörte und wo das Nachtessenanfing. Nach dem Nachtessen legte er sich ins Bett und war so müde,als wenn er den ganzen Tag Steine abgeladen oder Holz gespaltenhätte. Davon bekam er zuletzt einen dicken Leib, der so unbeholfenwar wie ein Maltersack. Essen und Schlaf wollte ihm nimmer schmecken,und er war lange Zeit, wie es manchmal geht, nicht recht gesund undnicht recht krank; wenn man aber ihn selber hörte, so hatte er 365 Krank-heiten, nämlich alle Tage eine andere. Alle Ärzte, die in Amsterdamsind, mußten ihm raten. Er verschluckte ganze Feuereimer voll Mixturenund ganze Schaufeln voll Pulver, und Pillen wie Enteneier so groß,und man nannte ihn zuletzt scherzweise nur die zweibeinige Apotheke.Aber alles Doktern half ihm nichts, denn er befolgte nicht, was ihmdie Ärzte befahlen, sondern sagte: „Blitz, wofür bin ich ein reicherMann, wenn ich soll leben wie ein Hund, und der Doktor will michnicht gesund machen für mein Geld?"
Endlich hörte er von einem Arzt, der 100 Stunden weit wegwohnte, der sei so geschickt, daß die Kranken gesund würden, wenn ersie nur recht anschaue, und der Tod gehe ihm aus dem Wege, wo ersich sehen lasse. Zu dem Arzt faßte der Mann ein Zutrauen undschrieb ihm seinen Umstand. Der Arzt merkte bald, was ihm fehle,nämlich nicht Arznei, sondern Mäßigkeit und Bewegung, und sagte:„Wart, dich will ich bald kuriert haben!" Deswegen schrieb er ihmein Brieflein folgenden Inhalts: „Guter Freund, Ihr habt einen