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Gescheite Hähne frißt der Fuchs auch.
Goldner Zaum macht 's Pferd nicht besser.
Thu nur das Rechte in deinen Sachen, das andere wird sich von
selber machen.
Du wirst nicht musterhaft durch Jagd nach Andrer Fehlern,und nie wirst du berühmt durch fremden Ruhmes Schmälern.
Rückert.
Man empfängt den Mann nach dem Kleide und entläßt ihn nach dem
Verstände.
Sich selber loben niemand soll, den Guten loben andere Wohl.Die Alten zum Rat, die Jungen zur That.
Schweigen ist nicht allweg gut.
Meß das Herz voll ist, des geht der Mund über.
Was Sünde ist zu thun, ist Schande zu reden.
Scham hindert Schande. .
247. Aus dem Leben Heinrich Pestalozzis.
Nach Fr. Polack, Vater Pestalozzi; O. Hunziker, H. Pestalozzi; Neins Handbuch der Pädagogik,Artikel Chr. H. Zelter. ^ ^
l. Eine treue Magd.
,,^err Doktor, kommen Sie doch geschwind zu dem Hans imEnslihof! Er ist von der Leiter abgestürzt. Ich kam gerade vorbei,als das Unglück geschah. Es war niemand weiter daheim, da bin ichgleich fortgesprungen". Mit diesen Worten trat ein schlichtes Dorf-mädchen in das Haus des Wund- und Augenarztes Johann BaptistPestalozzi am „Rüdenplatz" zu Zürich. Vom Laufen war das Mädchenerhitzt und außer Atem.
Während sich der Arzt zur Reise rüstete, gewahrte es in einerEcke ein Büblein von 4 oder 5 Jahren; das war schwächlich anGliedern und unschön von Gestalt; aber es schaute aus tiefen, schönenAugen verwundert auf das fremde Mädchen. Das streichelte ihm dasHaar glatt und sagte: „Liebs Büebli, komm, laß dein Wäglein 'malschön laufen!" Das Büblein aber wich scheu zurück, fiel unbeholfenüber die eigenen Beine und schrie nun jämmerlich. Das fremde Mäd-chen hob es auf, stillte sein Weinen und brachte das Spiel in Gang.„Wie heißt du denn, gutes Mädeli?" fragte der Knabe. — „Babeli!"