Band 
[Erster Band.]
Seite
93
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Sommer

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mit ein paar starken Ruderschlägen, so daß der Kiel die daher-ziehenden Wellen schnitt. Es war prächtig, wenn man so aufund ab geschaukelt wurde.

„Eigentlich fein ist's erst, wenn man recht nah beim Dampf-schiff ist," sagte Hans. „Da geht's hoch hinauf und dann hin-unter, daß man fast meint, man versinke. Nächstes Jahr darfich hoffentlich weiter hinaus. — Jetzt wollen wir zu den Steinenrudern, wo die jungen Fische sind."

Die Steine waren große Blöcke, die überall längs den User-mauern aufgeschüttet waren, damit die anschlagenden Wellendie Mauern nicht zerstörten. An der Ecke des Rittmerguteswaren jetzt, am Anfang des Sommers, eine Unmenge von ganzkleinen Fischen zu sehen. Zu Hunderten und Hunderten schwam-men sie da, so dicht ineinander, daß sie das Wasser verdunkelten.Fuhr man in sie hinein, so flohen sie nach allen Seiten, konntenaber in ihrem eigenen Gewimmel gar nicht schnell genug ent-kommen. Da schössen denn die einen sogar aus dem Wasserauf und in weitem Sprunge darüber hin. Es war, als obkleine silberne Blitze aus dem grünblauen Wasser aufsprühten,um im nächsten Augenblick wieder zu versinken.

Am lustigsten aber war es, wenn man irgendwo an einerseichten Stelle auffuhr.

„Kann man da noch drüber oder nicht?" war jedesmal diewichtige Frage. Um sie zu lösen, fuhr man frisch drauf los,bis das Schiff auf den Kieseln des Grundes knirschte und manfeststehe. Dann griff Hans nach einem Sitzruder und begannzu stacheln, während Marianne mit dem andern hantierte. Lottisaß auf der Mittelbank und schrie: „Fest, Hans, fest —! Ma-riannne, du tust falsch —! links — links —!"

Einen wirklich großartigen Charakter aber nahmen dieSchiffahrten an, wenn Onkel Alfred oder Fritz Völklein dabeiwaren. Fritz Völklein war der Großneffe von Frau Völklein.Er wohnte in der Nähe der Seeweid und kam sehr oft zuseiner Tante. Er war schon fünfzehn Jahre alt, stark und ge-wandt und ruderte ausgezeichnet. Auch er hatte etwas Vor-sichtiges, Besonnenes. Mit ihm ließ Frau Turnach die Kinderüberall hinfahren, seeauf, seeab und querüber. Wenn sie nochso lange nicht heimkamen, sie ängstigte sich nicht.

Manchmal brachte Onkel Alfred ein eigenes kleines Bootaus der Stadt mit. Dann wurde ein wundervolles Spiel ge-spielt. Das Färberschiff war Sankt Helena, weil es da draußen