Band 
[Erster Band.]
Seite
144
JPEG-Download
 

144

Im Tages- und Wochenlauf

Felder rings, ein GottessegenHügel aus- und niederwärts,

Und auf stillen GnadenwegenStieg auch uns er in das Herz.

78. Sonntag im Vauernhaufe.

Bon Jeremias Gotthels.

Der Sonntag kam am Himmel heraus, hell, klar, wunder-schön! Die dunkelgrünen Gräslein hatten mit demantenenKränzlein ihre Stirnen geschmückt und funkelten als süße Bräut-lein in Gottes unermeßlichem Tempel. Tausend Finken, tau-send Amseln, tausend Lerchen sangen die Hochzeitslieder; weiß-bärtig, ernst und feierlich, aber mit den Rosen der Jugend aufden gefurchten Wangen, sahen die alten Berge als Zeugen aufdie holden Bräutlein nieder, und als Priesterin Gottes erhobsich über alle die goldene Sonne und spendete in funkelndenStrahlen ihren Hochzeitsegen.

Der tausendstimmige Gesang und des Landes Herrlichkeithatten den Bauer Johannes früh geweckt, und er wandelteandächtigen Gemüts dem Segen nach, den ihm Gott bescherthatte. Er durchging mit hochgehobenen Beinen und langenSchütten das mächtige Gras, stand am üppigen Kornacker still,an den wohlgeordneten Pflanzplätzen, dem sanft sich wiegen-den Flachse, betrachtete die schwellenden Kirschen, die von kleinerFrucht starrenden Bäume mit Kernobst, band hier etwas auf,las dort etwas Schädliches ab und freute sich bei allem nichtnur des Preises, den es einst gelten, nicht nur des Gewinnes,den er machen werde, sondern des Herrn, dessen Güte die Erdevoll, dessen Herrlichkeit und Weisheit neu sei jeden Morgen.Und er dachte, wie alles Kraut und jedes Tier jetzt denSchöpfer preise, so sollte es auch der Mensch tun und mit demMunde nicht nur, sondern mit seinem ganzen Wesen, wie derBaum in seiner Pracht, wie der Kornacker in seiner Fülle, soder Mensch in seinem Tun und Lassen.Gott Lob und Dank!"dachte er,ich und mein Weib und meine Kinder, wir wollendem Herrn dienen, und er braucht sich unser nicht zu schämen.Wir sind wohl auch arme Sünder und haben nur einen ge-ringen Anfang der Gottseligkeit; aber wir haben doch ein Herzzu ihm und vergessen ihn nie einen ganzen Tag lang undessen nichts, trinken nichts, wofür wir ihm nicht danken undnicht nur mit Worten, sondern von Herzensgrund." Aber wenner des Uli, seines Knechts, gedachte, und wie ihn der liebe Gott