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Schicksal
schönen Blumen vielleicht einen Rosmarin aus die kalte Brustoder eine Raute." Mit diesen Gedanken begleitete er die Leiche,als wenn er dazu gehörte, bis ans Grab, sah den vermeintenHerrn Kannitverstan hinabsenken in seine Ruhestätte und wardvon der holländischen Leichenpredigt, von der er kein Wortverstand, mehr gerührt als von mancher deutschen, auf die ernicht achtgab. Endlich ging er leichten Herzens mit den andernwieder fort, verzehrte in einer Herberge, wo man deutsch ver-stand, mit gutem Appetit ein Stück Limburger Käse, und wennes ihm wieder einmal schwer fallen wollte, daß so viele Leutein der Welt so reich seien und er so arm, so dachte er nuran den Herrn Kannitverstan in Amsterdam, an sein großesHaus, an sein reiches Schiff und an sein enges Grab.
216 Unverhofftes Wiedersehen.
Von Johann Peter Hebel.
In Falun in Schweden küßte vor guten fünfzig Jahrenund mehr ein junger Bergmann seine junge hübsche Brautund sagte zu ihr: „Auf Sankt Luciä wird unsere Liebe vondes Priesters Hand gesegnet. Dann sind wir Mann und Weibund bauen uns ein eigenes Nestlein." — „Und Friede undLiebe soll darin wohnen," sagte die schöne Braut mit holdemLächeln, „denn du bist mein Einziges und Alles, und ohnedich möchte ich lieber im Grab sein als an einem andern Ort."Als sie aber vor St. Luciä der Pfarrer zum zweiten Malein der Kirche ausgerufen hatte: „So nun jemand Hinder-nis wüßte anzuzeigen, warum diese Personen nicht möchtenehelich zusammenkommen," da meldete sich der Tod. Dennals der Jüngling den andern Morgen in seiner schwarzenBergmannskleidung an ihrem Haus vorbei ging, der Bergmannhat sein Totenkleid immer an, da klopfte er zwar noch einmalan ihrem Fenster und sagte ihr guten Morgen, aber keinenguten Abend mehr. Er kam nimmer aus dem Bergwerk zu-rück, und sie säumte vergeblich selbigen Morgen ein schwarzesHalstuch mit rotem Rand für ihn zum Hochzeittag, sondernals er nimmer kam, legte sie es weg und weinte um ihn undvergaß ihn nie. Unterdessen wurde die Stadt Lissabon inPortugal durch ein Erdbeben zerstört, und der siebenjährigeKrieg ging vorüber, und Kaiser Franz der Erste starb, und derJesuitenorden wurde aufgehoben und Polen geteilt, und dieKaiserin Maria Theresia starb, und der Struensee wurde hin-gerichtet, Amerika wurde frei, und die vereinigte französische und