Lebensweisheit
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221. Gebet.
Bon Gustav Falle.
Herr, laß mich hungern dann und wann,Satt sein macht stumpf und träge,
Und schick' mir Feinde, Mann um Mann,Kampf hält die Kräfte rege.
Gib leichten Fuß zu Spiel und Tanz,Flugkraft in goldne Ferne,
Und häng' den Kranz, den vollen Kranz,Mir höher in die Sterne.
222 Das Hufeisen.
Bon Johann Wolfgang v. Goethe.
Als noch verkannt und sehr gering,
Unser Herr auf der Erde gingUnd viele Jünger sich zu ihm fanden,
Die sehr selten sein Wort verstanden,
Liebt' er sich gar über die Matzen,
Seinen Hos zu halten auf der Stratzen,Weil unter des Himmels AngesichtMan immer besser und freier spricht.
Er lietz sie da die höchsten LehrenAus seinem heiligen Munde hören;Besonders durch Gleichnis und ExempelMacht' er einen jeden Markt zum Tempel.
So schlendert' er in Geistes RuhMit ihnen einst einem Städtchen zu,
Sah etwas blinken aus der Stratz',
Das ein zerbrochen Hufeisen war.
Er sagte zu Sankt Peter drauf:
„Heb' doch einmal das Eisen auf!"
Sankt Peter war nicht aufgeräumt,
Er hatte soeben im Gehen geträumt,
So was vom Regiment der Welt,
Was einem jeden wohlgefällt:
Denn im Kopf hat das keine Schranken;Das waren so seine liebsten Gedanken.Nun war der Fund ihm viel zu klein,Hätte müssen Krön' und Scepter sein;Aber wie sollt' er seinen RückenNach einem alten Hufeisen bücken?