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wärts. Fast 15 km lang ist der Tunnel; unser Schnell-zug durchführt die Strecke in 18 Minuten, 1500 bis2000 m unter den Höhen des Gotthard durch. BeiAirölo kommen wir wieder aus Tageslicht. Blauwölbt sich hier der Himmel über uns, während erim Reußtale bedeckt war. Immerhin sind wir nochnicht im milden Italien; die Gegend ist vielmehr nochziemlich wild und rauh. Aber der Zug eilt nun demTessin nach hinunter durch schauerliche Schluchtenund Kehrtunnels und über hohe Brücken und er-reicht immer freundlichere und wärmere Gegenden-Faido und Biasca halten uns nicht auf. Endlich sindwir in Bellinzona, im sonnigen Süden angelangt.31/2 Stunden hat unser Zug für einen Weg von170 km gebraucht. Unterhalb dieser Stadt teilt sichdie Bahn in zwei Stränge; der eine führt über Lu-gano-Chiasso nach Mailand, der andere, am Langen-see vorbei, nach Genua.
Der Bau der Gotthardbahn wurde im Jahr 1872begonnen, unter unsäglichen Schwierigkeiten durch-geführt und 1882 vollendet. Das Riesenwerk kosteterund 238 Millionen Franken; Italien, Deutschlandund die Schweiz steuerten dazu bei. Der großeTunnel allein kam auf etwa 57 Millionen Frankenzu stehen.
Von jeher bestand ein reger Verkehr zwischender Schweiz und Oberitalien. Nachdem erst nur einSaumpfad über den Gotthard geführt hatte, wurdein den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhundertseine kunstvolle Poststrasse gebaut. Aber auch siegenügte bald den Bedürfnissen des modernen Ver-kehrs nicht mehr, der schnell und billig und aufgroße Entfernungen vor sich gehen soll. Darum