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Lesebuch für die Primarschulen des Kantons Schaffhausen : 6. Schuljahr / hrsg. von der kantonalen Lesebuchkommission
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alte Frau ihre Hantierungen umgab. Manchmal strömtenihr Gedichte und Erzählungen nur so zu; sie begann:Zu der Zeit, als die Bögel noch haben reden können . .Auch die Streiche Till Eulenspiegels erzählte sie Joggeli;doch erging sie sich mit Vorliebe in erhebenden Gedanken.Ihr Lieblingslied war:

Wer nie sein Brot mit Tränen,

wer nie die kmninervollen Nächte

auf seinen: Bette weinend saß,

der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte!"

Sie sprach es in getragenem Bauerndentsch wie einGebet, als sei sie ganz durchdrungen von der Heiligkeitder Strophen.Großmutter, kommen die Lieder vomHimmel?" fragte Joggeli, der sich gerade vom Wohlklangdieser Verse ergreifen ließ.Sie mögen schon vom Himmelstannnen," erwiderte die Großmutter mit einem feinenLächeln über die sonderbare Frage.Das Lied von denTränen aber hat zuerst ein alter, blinder Harfner gesungen-da hat ihin ein weiser und gelehrter Mann zugehört,und weil ihin das Lied gar fromin erschien, hat er esin die Bücher aufgenommen."Du hast es also ausden Büchern?" forschte Joggeli weiter.Ich bin," erzähltedie Großmutter,als Jungfrau Magd bei der FrauSchultheiß in der Stadt gewesen. Und die beiden Jnng-herren des Hauses gingen eben um diese Zeit auf dasGymnasium. Wenn sie etwas auswendig zu lernenhatten, so kamen sie zu mir in die geräumige, freundlicheKüche und sagten artig:Snsanna, seid so gut, über-hört uns die Aufgaben!" Wie gerne ich's tat! Da habeich mit den Jungherren, die mir ergeben waren, manchesFeine und Gelehrte gelernt. Darunter auch dieses schöneLied." Inniges, sonniges Jngendgedenken flog um dieverwitterten Züge der alten Frau, und in einer Heiterkeit,