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sein Ansehen stand auf dem Spiele. Eine blutige Entscheidungschien unvermeidlich.
* Auf dem ganzen Wege von Einsheim nach Burghausen, durchdie blumigen Täler und über den sonnigen Höhenzug, war denbeiden Ungarn und dem Polizisten gemächlich ein Mann gefolgt,den alle gut kannten. Es war der Geigerfranz. Eine Frühlingstour,bevor er wieder in die Kurkapelle als Primgeiger eintrat, führteihn in dieses liebliche Erdenwinkelchen. Ein Lächeln umspielteseine Lippen. Er ahnte den Zusammenhang zwischen den Bären-treibern und dem ihnen hastig folgenden Polizisten. Da stand einHauptspass bevor. Als er um eine Biegung des Weges kam, lagBurghausen im Glänze der Nachmittagssonne vor ihm. Hier mussteder Zusammenstoss der feindlichen Elemente erfolgen. SeineSchritte beschleunigend, trat er bald durch das alte Stadttor aufden Rathausplatz und wurde Zeuge der ganzen Unterredung. DieBärentreiber schienen ehrliche Leute zu sein. In Binsheim hattensie nichts mehr verdienen können ; dort war man während vierzehnTagen des Bären und dessen Kunststücke müde geworden. Gewisswaren Sandor und Janos nach Burghausen geeilt, weil sie hierauf eine ordentliche Einnahme hofften. Ihnen den Bären pfänden,das hiess ja, sie des Mittels berauben, die dem Kronenwirtschuldige Summe aufzutreiben.
„Ich will den Bären haben; fertig, ich bestehe darauf!“ riefder Polizist und zog aus Leibeskräften an dem Säbel, der, weilseit Jahren eingerostet, durchaus nicht aus seiner Scheide wollte.Sein Angesicht färbte sich dunkelrot vor Erregung und Anstrengung.Unter seinen grauen Haaren perlten grosse Schweisstropfen hervor.Janos und Sandor standen kampfbereit. Der Stadtschreiber wanktevermittelnd zwischen den Parteien. Der Bär stiess plötzlich einGebrumm aus und sank auf alle Viere nieder. Vor ihmkugelte des Weissgerbers Karl, den man gegen ihn geworfen, imSande. Lautes Gelächter ertönte.
Der Polizist, der sich verspottet glaubte, tat einen heftigenRuck. Der Säbel fuhr heraus. Die Gewalt der Bewegung schlugaber den Träger rückwärts, und im nächsten Augenblicke lag aucher auf dem Boden.
Das Gelächter der frohen Menge widerhallte in den Bogen-gängen des alten Rathauses.
Der Geigerfranz trat dazwischen. Sein Geigenkästchen amArm schritt er in den Kreis. Es trat sogleich Stille ein; denn er