37
es liegt in ihm versunkeneine Krone, stolz und reich;sie lässt zu Nacht wohl spielenKarfunkel und Saphir;sie liegt seit grauen Jahren,und niemand sucht nach ihr.
Ludwig Uhland.
21. Tod in Ähren.
Im Weizenfeld, in Korn und Mohn,liegt ein Soldat, unaufgefunden,zwei Tage schon, zwei Nächte schon,mit schweren Wunden, unverbunden.
Durstüberquält und fieberwild,im Todeskampf den Kopf erhoben —ein letzter Traum, ein letztes Bild —sein brechend Auge schlägt nach oben.
Die Sense rauscht im Ährenfeld;er sieht sein Dorf im Arbeitsfrieden.
Ade, ade, du Heimatwelt —
und beugt das Haupt und ist verschieden.
Detlev von Lilieneron.
22. Die Neujahrsnacht eines Unglücklichen.
Ein alter Mann stand in der Neujahrs-Mitternacht am Fensterund schaute mit dem Blicke einer bangen Verzweiflung auf zumunbeweglichen, ewig blühenden Himmel, und herab auf die stille,reine, weisse Erde, worauf jetzt niemand so freuden- und schlafloswar, als er. Denn sein Grab stand nahe bei ihm; es war blossvorn Schnee des Alters, nicht vorn Grün der Jugend verdeckt, under brachte aus dem ganzen reichen Leben nichts mit als Irrtümer,Sünden und Krankheiten, einen verheerten Körper und eine ver-ödete Seele, die Brust voll Gift und ein Alter voll Heue. Seineschönsten Jugendtage wandten sich heute als Gespenster um undzogen ihn wieder vor den holden Morgen hin, wo ihn sein Vaterzuerst auf den Scheideweg des Lebens gestellt, der rechts auf derSonnenbahn der Tugend in ein weites, ruhiges Land voll Licht