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Kehre mit ihm um, Jüngling, wenn du auf seinem Irrwegestehest! Dieser schreckende Traum wird künftig dein Richter wer-den; aber wenn du einst jammervoll rufen würdest: „Komme wieder,schöne Jugend,“ — so würde sie nicht wieder kommen!
Jean Paul Friedrich Richter.
23. Über ein Stündlein.
Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne.
Über den First, wo die Glocken hangen,ist schon lange der Schein gegangen,ging in Türmers Fenster ein.
Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,einsam wohnt er, oft erschrocken;doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein.
Wer in tiefen Gassen gebaut;
Hütt’ an Hüttlein lehnt sich traut;
Glocken haben ihn nie erschüttert,
Wetterstrahl ihn nie urnzittert;aber spät sein Morgen graut.
Höh’ und Tiefe hat Lust und Leid!
Sag’ ihm ab, dem törichten Neid:andrer Gram birgt andre Wonne!
Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne.
Paul Heyse.
24. Kine Geschichte zweier Iamilien.
„Die Schwalben bringen dem Hause Glück, an dessen Dach sie nisten,"sagt der Volksmund. Welch’ tiefer Sinn in diesem Worte liegt, das habeich selbst erfahren, und das will ich Euch erzählen.
In dem Dorfe, wo ich lebe, steht auch das Haus meiner Eltern.Es gehört zu den kleinsten des Ortes; aber für mich umgibt es ein un-vergänglicher Zauber: der Zauber, den wahre Gottesfurcht, entsagungsvolleLiebe und Güte, treue Arbeit, Zufriedenheit und Freude an der Natur umeine Heimstätte nur weben können.