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Jubeltönen kund. Dann ging's an die Musterung der alten Brutstättenund an den Nesterbau, und dann saß eines Tages die Schwalbenmutterin dem kunstvollen Nestchen und brütete Eierchen aus, und der Schwalben-vater saß daneben und sang ihr ein gar liebliches Liedchen vor mit seinerzwitschernden Stimme. Und nach einiger Zeit guckten kleine, nackte Vogel-köpfchen aus den Nestern und sperrten alle zugleich die Schnabel auf, wenneines der Schwalbeneltern mit Atzung kam. Wir beobachteten jeden Tagden Fortschritt, den die Kleinen machten, und es war ein Ereignis, wenndas erste Junge ausgeführt wurde und dann jeden Tag ein anderes einenFlugversuch machen durfte.
Wie freuten wir uns immer, wenn die Eltern sich mit uns auf dieBank unter den Fliederbaum setzten, gerade gegenüber von unserem Häus-chen und dem Stall,, wo die verschiedenen Vogelsamilien ihren Wohnsitzaufgeschlagen hatten. 'Ich erinnere mich noch, wie ich aus Vaters Kniereiten durfte, während die Mutter unseren Jüngsten auf dem Arm hatte,und auch der gute, alte Karo saß daneben und sah mit uns ganz auf-merksam hinauf zu den kleinen Vögelchen. Auch auf den Bäumen tummeltesich junges, gefiedertes Volk. Wo es ging, hatte der Vater Nistkästenangebracht für Stare und Finken und Meisen. Im Gemüsegarten hinterdem Hause aber gaben Brombeerhecken, Schlehengebüsch und wilde Rosenden Goldhähnchen und Grasmücken ein prächtiges, gesichertes Heim. DieBäume mit Brutstätten waren am Stamm mit Dorngestrüpp umwickelt,so daß keine Katze den Baum erklettern konnte.
Wir kannten jedes Nest und beobachteten alle Vorgänge darin mitgroßem Eifer. War das eine Freude, wenn wieder junge Vögelchenden Eiern entschlüpft waren und fünf oder mehr weit geöffnete Schnäbelden Vogeleltern zuschrieen. Wie arm und schal sind doch die Freuden, diedas kostbarste Spielzeug den Kindern bereitet, gegen den unbeschreiblichenReiz, den dieses Beobachten der Natur, diese Teilnahme für die uns um-gebende Tierwelt auf Gemüt und Verstand eines Kindes ausüben.
Auch mit den anderen Tierchen, die aus Unwissenheit und Vorurteilso häufig verfolgt werden, hatte der Vater uns frühzeitig bekannt gemacht.Eine Kröte, die seit Jahren in unserm Garten lebte, blieb ruhig vor unssitzen und sah uns ohne Furcht mit ihren großen Augen an. Das Tierchenließ sich sogar den Rücken von uns streicheln, was ihm ein besonderesBehagen zu bereiten schien. Die schönen, goldiggrünen Eidechslein, dieBlindschleichen, der Igel, die Fledermaus, sie alle waren unsere Freunde;wir wußten, daß wir ohne ihre Hilfe viel weniger Gemüse und Früchteund Blumen zum Verkauf in die Stadt bringen würden.
Wenn dann die sonnigen Tage schwanden, unsere Schwalben und