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Knecht in Eile den Wagen an, um aus der Stadt den Doktor zu holen.Man schickt nach dem Pfarrer und nach meinem Vater. Dieser findet,daß das Herz noch leise schlägt; aber Totenblässe bedeckt das Gesicht desBauern, der kein Lebenszeichen mehr gibt. Über Schädel und Stirn ziehtsich eine klaffende Wunde, die von einem wuchtigen Schlag herrührt.Der Doktor kommt und versucht, das Bewußtsein zurückzurufen. LangeZeit vergeht, bis es gelingt. Endlich öffnet der Mann die Augen; aberer kennt niemand. Eine Gehirnentzündung hat seinen Geist umnachtet.
Am nächsten Tage kamen Herren vom Gericht, um alles aufzunehmen,was zur Entdeckung des Täters führen konnte. Und bald wiesen alleSpuren auf den, gegen den sich von Anfang an der Verdacht der Dienst-leute gerichtet hatte, auf den eigenen Sohn des Bauern. Der letzte Zweifelschwand, als das Geld bei ihm gefunden wurde.
Das ganze Dorf hatte sich vor dem Grundhof angesammelt, da derFritz geschlossen abgeführt wurde, und Flüche begleiteten den Vatermörder.Seine Mutter hatte ihn nimmer sehen wollen. Sie hatte sich aufs Bettgeworfen, den Kopf in die Kissen vergraben und so ihr Jammergeschrei,das mehr einem Heulen glich, zu ersticken gesucht. Der Bauer aber wußtevon allem nichts. Er lag immer im Fieber und redete irre.
Bis es sich entschieden hatte, ob er mit dem Leben davon kommenwürde, vergingen viele Wochen. Nach seiner Wiederherstellung fand dieVerhandlung gegen Fritz statt. Das Urteil lautete auf sieben JahreZuchthaus.
Wohl hatte der Grundhofbauer seine Gesundheit wieder erlangt;aber er war ein gebrochener Mann. Um seine Wirtschaft kümmerte er sichnicht mehr; sie war ganz den Dienstleuten überlassen und ging gar baldzurück. Stumpf nahm der Bauer jede Nachlässigkeit, jede Schädigungseines Eigentums hin. Es sah fast ai^s, als freue er sich, wenn das Erbeseines Sohnes sich minderte. Gewissenlose Menschen hatten diesem Geldgegen hohe Zinsen geliehen, als des Vaters Kasse sich ihm verschlossenhatte. Ohne nur einen Versuch zu machen, diese Forderungen zurückzuweisen,zahlte der Bauer alles, die Darlehen samt den enormen Wucherzinsen.Ein Stück Feld ums andere wurde verkauft, eine zum Gut gehörigeSägemühle losgeschlagen und dem neuen Besitzer der schöne Wald zumFällen überlassen. Der Bauer ergab sich mehr und mehr dem Tränke;dadurch wollte er seinen Gram — und vielleicht auch seine Gewissensbisse —betäuben. Aber sein Körper, der nach der langen Krankheit die frühereKraft nicht wieder erlangt hatte, ging darüber rasch zu Grunde. DreiJahre, ehe der Sohn aus dem Zuchthause kam, lag der Bauer schon ausdem Kirchhof. Die Bäuerin hat sich fast blind geweint und ist einer