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Lehr- und Lesebuch für das achte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrat des Kantons St. Gallen
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dann war ihm, er spiele die Guitarre, wie in jenem Moment, der so>grausam unterbrochen wurde, und jetzt auf einmal erschaute er die Stätte,,wo er verurteilt und gepeitscht worden . . .

Ein wildes Gefühl durchtobte ihn beim Erwachen; selbst das Gebetbesänftigte ihn nicht. Makar hatte ihn grenzenlos elend gemacht; sollte erihm die Schmach denn nicht heimzahlen?

Zwei Wochen gingen vorüber. Eines Abends schritt Aksenow durchden Schlafraum, als er hinter einem der roh gezimmerten Betten ein.Geräusch von niederbröckelndem Schütte hörte. Er wandte sich um.und sah, wie Makar unter einem Bette hervorkroch. Dieser näherte sich.Aksenow, faßte ihn bei der Hand und gestand ihm, er suche ein Loch durchdie Wand zu machen und trage den Schutt jeden Morgen in den Stiefelnhinaus.Aber reinen Mund halten, Väterchen!" fügte er hinzu;dusollst mit mir entweichen; verrätst du mich aber, so wird man mich un-menschlich peitschen, und das müßtest du mir büßen."

Der Zorn durchbebte Aksenow. Er entzog jenem die Hand undsagte:Ich habe keine Lust, zu entweichen, und du brauchst mir auch nichtzu drohen ... Du hast mich vor langer Zeit schon getötet. Ich über-lasse alles meinem Gölte" . . .

Am nächsten Morgen leerte Makar abermals auf dem Hofe feine mitMauerschutt gefüllten Stiefel. Er wurde dabei überrascht, und bei den.weiteren Nachforschungen entdeckte man das von ihm in der Mauer an-gebrachte Loch. Von den Sträflingen wollte keiner etwas davon bemerkthaben, und der Aufseher wandte sich daher an Aksenow, um von ihm dieWahrheit zu erfahren. Die Lippen des Armen bebten. Sollte er sprechenund Makar der gerechten Züchtigung überliefern . . .? Aber was halfihm denn das?

Der Aufseher wiederholte seine f^rage.Mein Gott heißt mich nichtreden, und ich werde ihm gehorchen," sagte Aksenow.Tut mit mir, wasEuch gefällt." Mehr war nicht aus ihm herauszubringen, und so blieb esunermittelt, welche Sträflinge entweichen gewollt.

Als Aksenow wieder auf seinem nächtlichen Lager sich wälzte, ver-nahm er deutlich, wie jemand tastend sich ihm nahte. Trotz der Dunkel-heit erkannte er Makar.

Was willst du von mir? Geh', oder ich rufe den Wächter."

Da neigte sich Makar über ihn und flüsterte:Iwan, verzeih' mir."

Was hätte ich dir zu verzeihen?"

Daß ich einst deinen Reisegenossen ermordete und das Messer indeinen Sack steckte. Auch dich wollte ich töten; aber ein Geräusch im Hofe