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Ich atmet’ eilig, wie auf Raub,der Märkte Dunst, der Städte Staub.
Ich sah den Kampf. Was sagest du,mein reines Firnelicht, dazu,du grosses, stilles Leuchten ?
Nie prahlt’ ich mit der Heimat nochund liebe sie von Herzen doch;in meinem Wesen und Gedicht,allüberall ist Firnelicht,das grosse, stille Leuchten.
Was kann ich für die Heimat tun,bevor ich geh’ im Grabe ruh’n?
Was geb’ ich, das dem Tod entflieht?
Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Lied,ein kleines, stilles Leuchten!
Konrad Ferdinand Meyer.
32. Denk’ es, o Seele!
Ein Tännlein grünet wo,
Wer weiss, im Walde,
Ein Rosenstrauch, wer sagt,
In welchem Garten ?
Sie sind erlesen schon,denk’ es, o Seele,auf deinem Grab zu wurzelnund zu wachsen.
Zwei schwarze Rösslein weidenauf der Wiese;sie kehren heim zur Stadtin muntern Sprüngen.
Sie werden schrittweis’ geh’nmit deiner Leiche;vielleicht, vielleicht noch eh’an ihren Hufendas Eisen los wird,das ich blitzen sehe!
Eduard MöriKe.