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aus tausend Quellen einem neuen Kreislauf zu; in den untern wirddasselbe gesammelt, um wieder dem wogenden Herzen, dem Meere,zugeführt zu werden. Dort hebt es die Sonne, nachdem es ge-läutert und gereinigt worden, von neuem über die Erde und ver-teilt es überall hin.
2. Aber noch eine andere Aufgabe erfüllt das Wasser hiebei.Die himmelhohen Berge werden abgetragen, und die Meerestiefenausgefüllt. Es nimmt Material weg, transportiert dasselbe undlagert "es wieder ab. Die erste Tätigkeit bezeichnet der Erdkun-dige mit dem Namen Erosion oder Auswaschung. Diese kannwieder zweierlei Art sein: Einfach wegfressend, oder auflösend.Beobachten wir unser. Dorfbächlein. Dort vollzieht das Wasseralle Arten dieser Arbeit. Das kleinste Gerinnsel macht sich seinBett und stürzt erst Kleinchen und bald Steine talwärts. Unsereschweizerischen Alpentäler und Schluchten, die wir bewundernddurchwandern, sind mit ganz wenigen Ausnahmen vorn Wasserund den wühlenden Gletschern vergangener Eiszeiten aus demLeib der Erde herausgeformt worden. Selbst die härtesten Gesteins-arten sind der nagenden Kraft erlegen. Wandern wir in unsernFerientagen den Gebirgsbächen entlang aufwärts, so sehen wir indiesen grosse Steine, an denen sich das spärliche Wasser in kräu-selndem Schaume bricht. Wir können kaum glauben, dass dieseRiesenblöcke vorn Gebirge herabgerollt sind und doch finden wirdiese Felsart nicht im Bach bett (als anstehendes Gestein). Kommenwir aber im Frühsommer, wenn die Schneeschmelze im Hochge-birge am grössten ist, so werden diese unschuldigen, kristallhellenWässerlein zu hoch angeschwollenen Wildbächen. Aus ihremGrund hallt ein dumpfes Donnerrollen und kläffendes Geräusch,das an fernes Gewehrfeuer erinnert. Die Steinblöcke werden vornWildbach fortgewälzt, so dass sie prasselnd und donnernd anein-ander schlagen und man am Uferrand ein beständiges kleines Be-ben der Erde fühlt. Wird die Stosskraft des Baches kleiner alsdas Gewicht des Blockes, so bleibt er liegen. Kleinere Steinewerden weiter transportiert und mit Abnahme des Gefälles wiederliegen gelassen, bis schliesslich nur noch ein feiner Sand undSchlamm dem stundenweit entfernten See zugeführt wird. Wieuns zuverlässige Beobachtungen zeigen, führt der Mississippi, einRiesenstrom Amerikas, jährlich über 200,000,000 m 8 Schlamm insMeer. Vor der Reusskorrektion im Jahre 1855 wurde der See-boden des Urnersees vermessen und 1882 die Vermessung wieder-