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Volle Aehren : Lesebuch für die Primarschulen des Kantons Solothurn : sechstes Schuljahr / bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartementes, unter Mitwirkung der kantonalen Lehrmittelkommission, von Leo Weber und Josef Reinhart
Entstehung
Seite
190
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nimm die Schlüssel zu den dreizehn Türen des Himmelreichs inVerwahrung; zwölf davon darfst du ausschließen und die Herrlich-keiten darin betrachten; aber die dreizehnte, wozu dieser kleineSchlüssel gehört, die ist dir verboten; hüte dich. daß du sie nichtausschließest, sonst wirst du unglücklich." Das Mädchen versprach,gehorsam zu sein, und als nun die Jungfrau Maria weg war,sing sie an und besah die Wohnungen des Himmelreichs; jeden Tagschloß es eine auf, bis die zwölfe herum waren. In jeder abersaß ein Kpostel, und war von großem Glanz umgeben, und esfreute sich über all die Pracht und Herrlichkeit, und die Englein.die es immer begleiteten, freuten sich mit ihm. Nun war die ver-botene Tür allein noch übrig; da empfand es eine große Lust zuwissen, was dahinter verborgen wäre, und sprach zu den Englein:Ganz aufmachen will ich sie nicht und will auch nicht hineingehen,aber ich will sie ausschließen, damit wir ein wenig durch den Kitzsehen."Kch nein," sagten die Englein,das wäre Sünde; dieJungfrau Maria hat's verboten, und es könnte leicht dein Un-glück werden." va schwieg es still; aber die Begierde in seinemherzen schwieg nicht still, sondern nagte und pickte ordentlichdaran und ließ ihm keine Kühe. Und als die Englein einmal allehinausgegangen waren, dachte es:Nun bin ich ganz allein undkönnte hineingucken, es weiß es ja niemand, wenn ich's tue."Es suchte den Schlüssel heraus, und als es ihn in der Handhielt, steckte es ihn auch in das Schloß, und als es ihn hinein-gesteckt hatte, drehte es auch um. va sprang die Tür auf, undes sah da die Dreieinigkeit in Feuer und Glanz sitzen. Es bliebein Weilchen stehen und betrachtete alles mit Erstaunen; dannrührte es ein wenig mit dem Finger an den Glanz, da wardder Finger ganz golden. Alsbald empfand es eine gewaltige Angst,schlug die Tür zu und lief fort. Die Angst wollte auch nicht wie-der weichen, es mochte anfangen, was es wollte, und das herzklopfte in einem fort und wollte nicht ruhig werden; auch dasGold blieb an dem Finger und ging nicht ab, es mochte waschenund reiben so viel es wollte.

Gar nicht lange, so kam die Jungfrau Maria von ihrer Keifezurück. Sie rief das Mädchen zu sich und forderte ihm die Him-melsschlüssel wieder ab. Als es den Bund hinreichte, blickte ihmdie Jungfrau in die Augen und sprach:hast du auch nicht diedreizehnte Tür geöffnet?"Nein." antwortete es. va legte sie ihre