den Fußzehen bedeckt. Er stand still und betrachtete es voll Er-staunen; dann redete er es an und sprach: „Wer bist du? Warumsitzest du hier in der Einöde?" Ls gab aber keine Antwort, dennes konnte seinen Mund nicht auftun. Der König sprach weiter:„Willst du mit mir auf mein Schloß gehen?" va nickte es nurein wenig mit dem Kopf. Der König nahm es auf seinen Arm,trug es auf sein Pferd und ritt mit ihm heim, und als er ausdas königliche Schloß kam, ließ er ihm schöne Kleider anziehen undgab ihm alles im Überfluß. Und ob es gleich nicht sprechen konnte,so war es doch schön und holdselig, daß er es von herzen lieb ge-wann, und es dauerte nicht lange, so vermählte er sich mit ihm.
Als etwa ein Jahr verflossen war, brachte die Königin einenSohn zur Welt. Darauf in der Uacht, wo sie allein in ihrembette lag, erschien ihr die Jungfrau Maria und sprach: „Willstdu die Wahrheit sagen und gestehen, daß du die verbotene Eüraufgeschlossen hast, so will ich deinen Mund öffnen und dir dieSprache wiedergeben; verharrst du aber in der Sünde und leug-nest hartnäckig, so nehme ich dein neugeborenes Kind mit mir."va war der Königin verliehen zu antworten; sie blieb aber ver-stockt und sprach: „Kein, ich habe die verbotene Tür nicht auf-gemacht," und die Jungfrau Maria nahm das neugeborene Kindihr aus den Armen und verschwand damit. Am andern Morgen,als das Kind nicht zu finden war, ging ein Eemurmel unter denLeuten, die Königin wäre eine Menschenfresserin und hätte ihreigenes Kind umgebracht. Sie hörte alles und konnte nichts da-gegen sagen; der König aber wollte es nicht glauben, weil er sieso lieb hatte.
Dach einem Jahr gebar die Königin wieder einen Sohn. Inder Nacht trat auch wieder die Jungfrau Maria zu ihr herein undsprach: „Willst du gestehen, daß du die verbotene Tür geöffnethaft, so will ich dir dein Kind wiedergeben und deine Jungelösen; verharrst du aber in der Sünde und leugnest, so nehmeich auch dieses neugeborene mit mir." va sprach die Königinwiederum: „Nein, ich habe die verbotene Tür nicht geöffnet,"und die Jungfrau nahm ihr das Kind abermals weg und mit sichin den Himmel. Äm Morgen, als das Kind abermals verschwun-den war. sagten die Leute ganz laut, die Königin hätte es ver-schlungen, und des Königs Räte verlangten, daß sie sollte ge-richtet werden, ver König aber hatte sie so lieb, daß er es nicht