Buch 
Volle Aehren : Lesebuch für die Primarschulen des Kantons Solothurn : sechstes Schuljahr / bearbeitet im Auftrage des Erziehungsdepartementes, unter Mitwirkung der kantonalen Lehrmittelkommission, von Leo Weber und Josef Reinhart
Entstehung
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230
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Nm Sonntag, freu dich, o Mutter mein!

va trete ich über des Grabes Stein

und trag das Kreuz in meiner Hand,

das leuchtet über alle Land." v-u-eu-d

14L. Der Kreuzschnabel.

Als der Heiland litt am Kreuze,himmelwärts den Klick gewandt,fühlt er heimlich-sanftes Zückenan der stahldurchbohrten Hand.

hier, von allen ganz verlassen,sieht er eifrig mit Bemühnan dem einen starken Nagelein barmherzig vöglein ziehn.

blutbeträuft und ohne Kastenmit dem Schnabel zart und kleinmöcht den Heiland es vom Kreuzeseines Schöpfers Sohn befrein.

Und der Heiland spricht in Milde:Sei gesegnet für und für!Trag das Zeichen dieser Stunde:ewig Blut und Kreuzeszier."

Kreuzesschnabel heißt das vöglein.

Ganz bedeckt von blut so klar

singt es tief im Fichtenwalds

märchenhaft und wunderbar. ^ituo mo,-n.

143. Es ist Ostern.

Im großen Turm des Domes, hoch über den Heimstätten derMenschen, wohnt der Glöckner. Einsam ist's dort oben. Seit siedem Mann die Gefährtin der Fugend fortgetragen haben mit demkleinen Knaben zusammen, der nur zum Leben kam, um zu ster-den, ist er allein gewesen mit seinen Glocken. Zn gleichmäßigemTakt tickte die Turmuhr tagaus, tagein über seinem Haupte.Wie ein fernes brausen tönt der Lärm aus den Niederungen derStraßen und Gassen zu ihm herauf; zuweilen krächzen ein paarbohlen, sonst ist nichts zu hören. So ist's dem Glöckner recht,Stille und Einsamkeit sind ihm vertraut und lieb. Treulich warteter seines Nmtes. Allgemein ist sein Lob in der ganzen Stadt.Dft steht er an dem großen Bogenfenster seiner Stube. ÜberHäuser und Gärten, Wälder und Felder wandern seine Bugen,wandern seine Gedanken bis in den Himmel hinein, öfter nochsitzt er in der freien Zeit an seinem Tisch unter dem bilde desGekreuzigten und liest in der heiligen Schrift.