Da das der Landvogt vernahm, ward er bleich vor Schreckund Zorn und sprach: „Dein Leben habe ich dir zugesagt; abernun will ich dich an einen Ort bringen, wo weder Mond nochSonne auf dich scheinen soll." Die Knechte fingen und bandenden Tell und brachten ihn in das Schiff, auf welchem der Bogtwieder nach Küßnacht fahren wollte.
Wie sie nun auf dem See waren, kam ein Sturm, daß siealle fürchteten zu verderben. Da hieß der Vogt, auf den Rat feinerKnechte, den Tell ans Steuer stehen, denn der war ein gar starkerMann und berühmt als Fährmann. Als sie aber zu der Stein-platte kamen, die heute noch Tellsplatte heißt, steuerte Tell ansUfer hin, ergriff seine Armbrust, sprang auf die Platte und stießdas Schifflein in die Wellen zurück. Dann lief er, was er konnte,landeinwärts und über den Berg, bis er in die hohle Gasse kam,wo der Vogt vorbei sollte. Und als der Vogt, der aus dem Sturmentkommen war, mit seinen Dienern daherritt, spannte Tell seineArmbrust, zielte und traf den Vogt mitten ins Herz.
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Aus alten Märchen winkt eshervor mit weißer Hand,da singt es und da klingt esvon einem Zauberland.
146. Die Riesen und die Zwerge.
Es ging die Riesentochter, zu haben einen Spaß,herab vom hohen Schlosse, wo Vater Riese saß.
Da fand sie in dem Tale die Ochsen und den Pflug,dahinter auch den Bauern, der schien ihr klein genug.
Die Riesen und die Zwerge!
Pflug, Ochsen und den Bauern, es war ihr nicht zu groß,sie faßt's in ihre Schürze und trug's aufs Riesenschloß.
Da fragte Vater Riese: „Was hast du, Kind, gemacht?"
Sie sprach: „Ein schönes Spielzeug hab ich mir hergebracht."Die Riesen und die Zwerge!
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