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7. Der Held.
Felir Moeschlin.
Johann vorn Steinhof wußte nicht viel. Er war in die Schulegegangen; aber seither hatte er das meiste wieder vergessen. Nurdie Schweizergeschichte war ihm im Kopfe geblieben. Vielleichtdarum, weil sie ihm am meisten eingetrichtert worden war mitallen ihren Schlachten und Siegen und Helden, aber bloß biszur Schlacht bei Marignano. Weiter waren sie nicht ge-kommen.
Wenn Johann hinter dem Pfluge ging und etwas dachte, sodachte er an die alten Schweizer. Damals wäre er gern daheimgewesen. Das hätte ihm gerade gepaßt. Aber wenn er seinemVater etwas davon sagte, wurde er ausgelacht. Da er keine Muttermehr hatte, behielt er schließlich seine Gedanken für sich. Darumkann man nicht sagen, daß er einsamer wurde, al« sein Vater starb.Hingegen zeigte es sich, daß der Hof so sehr in Schulden steckte,daß es am besten war, ihn zu versteigern. Als Johann so viel ver-kauft hatte, als nötig war, um die Schulden zu bezahlen, blieb ihmbloß ein steiniger Ackerlappen, ein Stück Wald und eine Hellebardeübrig. Er ließ den Wald und den Ackerlappen liegen, wie sie lagen,und zog mit seiner Hellebarde in die Welt hinaus. Er wollte einHeld werden, wie so mancher alte Schweizer. Irgendwo war wohlKampf und Streit, wo sie ihn brauchen konnten. Und dann wollteer weisen, was er war. Aber die Welt mußte sich seit der Schlachtbei Marignano merkwürdig verändert haben. Er konnte sie nichtmit der alten Schweizergeschichte in Einklang bringen. Undseine Hellebarde hatte gar keinen Wert mehr. Man lachte ihn ausund zeigte ihm ein Gewehr. Da sah er ein, daß es nicht so einfachwar, ein Held zu werden. Und das machte ihn betrübt, denn erwäre so gerne einer geworden.
Aber da die Welt nicht zu ändern war, so schickte er sich drein.Und er sehnte sich wieder nach dem Eteinhof zurück; denn allesin allem war es dort nicht schlimmer als an einem andern Orte,und überdies war es ja seine Heimat.
Unterwegs kam er an einer Schmiede vorbei, und weil seineHellebarde so unnütz war, gab er sie dem Manne, der dort drinnenhämmerte, damit er etwas Besseres daraus mache. Und der rußigeKerl schmiedete ihm eine Art, eine Hacke und einen Spaten An-recht; denn es war eine große Hellebarde gewesen.