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Deutsches Lesebuch für die unteren Klassen schweizerischer Mittelschulen
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6. Das Abenteuer mit dem Löwen und dem Krokodil.

Es mochten ungefähr vierzehn Tage seit unserer Ankunft ver-strichen sein, als mir der älteste Sohn des Gouverneurs den Vor-schlag tat, mit ihm auf die Jagd zu gehen, den ich auch herzlichgern annahm. Mein Freund war ein großer, starker Mann und andie Hitze jenes Klimas gewöhnt; ich aber wurde in kurzer Zeitund bei ganz mäßiger Bewegung so matt, daß ich, als wir in denWald gekommen waren, weit hinter ihm zurückblickn

Ich wollte mich eben an dem Ufer eines reißenden Stromes,der schon einige Zeit meine Aufmerksamkeit beschäftigt hatte,niedersetzen, um mich etwas auszuruhen, als ich auf einmal auf demWege, den ich gekommen war, ein Geräusch hörte. Ich sah zurückund wurde fast versteinert, als ich einen ungeheuren Löwen er-blickte, der gerade auf mich zukam und mich nicht undeutlich merkenließ, daß er gnädigst geruhe, meinen armen Leichnam zu seinemFrühstück zu machen, ohne sich nur meine Einwilligung auszukitten.Meine Flinte war bloß mit Hasenschrot geladen. Langes Besinnenerlaubte mir weder die Zeit noch meine Verwirrung. Doch ent-schloß ich mich, auf die Bestie zu feuern, in der Hoffnung, sie zuschrecken, vielleicht auch zu verwunden. Allein, da ich in der Angstnicht einmal wartete, bis mir der Löwe zum Schusse kam, so wurdeer dadurch wütend gemacht und kam nun mit aller Heftigkeit aufmich los. Mehr aus Instinkt als aus vernünftiger Überlegung ver-suchte ich eine Unmöglichkeit zu entfliehen. Ich kehre mich um,und mir läuft noch, so oft ich daran gedenke, ein kalter Schauderüber den Leib wenige Schritte von mir steht ein scheußlichesKrokodil, das schon fürchterlich seinen Rachen aufsperrte, um michzu verschlingen.

Stellen Sie sich, meine Herren, das Schreckliche meiner Lagevor! Hinter mir der Löwe, vor mir das Krokodil, zu meinerLinken ein reißender Strom, zu meiner Rechten ein Abgrund,in dem, wie ich nachher hörte, die giftigsten Schlangen sich auf-hielten.

Betäubt und das war einem Herkules in dieser Lage nichtübelzunehmen stürzte ich zu Boden. Jeder Gedanke, den meineSeele noch vermochte, war die schreckliche Erwartung, jetzt dieZähne oder Klauen des wütenden Raubtieres zu fühlen oder indem Rachen des Krokodils zu stecken. Doch in wenigen Sekunden