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Lesebuch für die Primar-Schulen des Kantons Appenzell Innerrhoden : drittes Schuljahr
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86. Der heilige Martin.

1. Es war ein kalter Wintertag. Der Windblies über die Heide und trieb die Schneeflocken vorsich her. Da sprengten drei Reiter auf feurigen Rossendurchs Feld. Ihre dichten Mantel schützten sie gegenWind und Wetter. Die Reiter waren frohen Mutes.So kamen sie an das Tor einer Stadt, vor dem einGreis in Lumpen gehüllt saß. Er streckte ihnen seinezitternden Hände entgegen und bat um ein Almosen.

2. Ohne den Bettler nur anzusehen, jagte dererste Reiter vorüber, ebenso der zweite. Der drittejedoch hemmte den Lauf seines Rosses, blickte mitleidigauf den frierenden Bettler und sprach: Silber undGold hab' ich nicht, was ich aber besitze, um deineNot zu lindern, will ich mit dir teilen. Mit diesenWorten ließ er seinen Mantel fallen, zog das Schwertund schnitt ihn mitten durch. Die eine Hälfte reichteer freundlich dem Bettler, die andere warf er umseine Schulter und ritt fröhlich seines Weges.

3. Dieser Mann war der heilige Martin. Er

war der Sohn eines Heiden. Allein der heidnischeGötzendienst gefiel ihm nicht. Er besuchte lieber dieVersammlungen der Christen und ließ sich endlichtaufen. Später wurde er sogar Bischof und war wegenseiner großen Frömmigkeit und anderer Tugendenvon allen Christen hoch geehrt. Die Kirche feiertdas Andenken dieses Heiligen am 11. November jedesFahres. Nach Tätlicher.