36
2. Und die Meislein und die Zeisleinsind jetzt arme Bettelleut’,und sie schreien: „Tisch und Häusleinsind uns allen eingeschneit!“
3. Auch die Amseln und die Ammernsitzen zitternd in dem Schnee,und sie frieren, und sie jammern :
„Ach, der Hunger tut so weh!“
4. „Liebe Kinder, streut uns
Brös’chen,
werdet nicht im Geben müd; >wenn dann Veilchen blüh’nnnd Röschen,
singen wir euch Lied um Lied !"
48. Die sonderbare Mauer.
Die Leute eines einsamen Bauernhofes waren während desKrieges in großen Ängsten. Besonders eine Nacht war für siefürchterlich. Der Feind nahte sich der Gegend; der nächtlicheHimmel war bald da, bald dort von Feuersbrünsten rot wie Blut.Zudem war es Winter und das Wetter sehr kalt und stürmisch.Die guten Leute waren keinen Augenblick sicher, ausgeplündert undin der rauhesten Jahreszeit von Haus und Hof verjagt zu werden.
Großeltern, Eltern und Kinder blieben die ganze Nacht hin-durch in der Stube beieinander auf und beteten beständig. Die Groß-mutter betete in der Einfalt ihres Herzens den Vers eines altenKirchenliedes:
„Eine Mauer um uns bau', daß dem Feinde davor grau'!"Der junge Bauer, welcher andächtig zuhörte, sagte: „Ei,Großmutter, da erbittet Ihr ja von Gott etwas Unmögliches."- „Ich will damit nicht gesagt haben," versetzte die Großmutter,„daß Gott um unser Haus gerade eine Mauer bauen solle, sondernich wollte Gott nur bitten, daß er uns vor dem Feinde gnädiglichin Schutz nehme. Aber wenn es Gott gefiele, eine Mauer umuns her zu bauen, meinst du nicht, daß er dies könnte?"
.1. Staub.