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Lesebuch für das vierte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der Kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons St. Gallen
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78. Hon den Hrunnen und der Wasserversorgung.

Die atmosphärischen Niederschlüge werden auf der Erdealle wieder zu Wasser, und ein großer Teil desselben sickert in dieErde. Bei starkem Regenguß oder bei der Schneeschmelze dringtWasser durch den moosigen Waldboden, durch Erde und Kieshinein bis auf den festen Fels. Dieser neigt sich dem Tale zu, abernicht in einer geraden Fläche, sondern er bildet Berglein undMulden. In der Mulde sammelt sich das Wasser wie in Teichen,und wenn sie voll sind, überfließen sie, und das Wasser sucht sichwieder einen Ausweg durch die Erde. Wir sehen es als Quelleaus dem Boden fließen. Die Leute haben das entdeckt, undda sie für sich, für ihr Vieh so notwendig Wasser brauchen, sosuchen sie es zu ihren Wohnstätten zu leiten. Vorerst wird eineGrube gegraben und ausgemauert, und das Wasser dahinein-geleitet; das ist die Brunnenstube. Nun wird ein Graben geöffnetbis zum Wohnhaus und darin das Wasser durch hölzerne odereiserne Röhren von der Brunnenstube bis zum tieferliegendenWohnhaus geleitet. Dort steigt es durch den Brunnenstock hin-auf und fließt durch die Brunnenröhre hinaus in den Brunnen-trog oder in das Brunnenbett. Natürlich wird der Grabenwieder zugedeckt, so daß das Wasser im Winter nicht einfriert.Wenn man ein ganzes Dorf oder gar eine Stadt mit Wasserversehen will, dann muß man das Wasser vieler starker Quellenzusammenleiten in einen großen, gemauerten Wassersammler, inein sogenanntes Reservoir. Von da aus wird nun ein tieferGraben gegraben. Große, gußeiserne Röhren werden hineingelegtund gut miteinander verbunden. Das ist die Hauptleitung, die vomReservoir aus durch den Ort führt. Bon der Hauptleitung ausführen zu einzelnen Häusern durch dünnere Röhren Nebenleitungen.

Nun wird probiert, ob die Röhren nirgends rinnen, und danndecken die Erdarbeiter die Gräben wieder zu. Von den Neben- ^leitungen aus werden erst in den Häusern selbst noch Röhren- yleitungen erstellt und überall da, wo man das Wasser brauchenwill, in der Küche, im Abort, im Keller, in der Scheune einHahnen angeschraubt. Da kann man drehen, und es fließt Wasser