Buch 
Lesebuch für das vierte Schuljahr der Primarschulen des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der Kantonalen Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate des Kantons St. Gallen
Seite
116
JPEG-Download
 

116

86. Arbeit und Herdienst.

Wenn wir ein Stück Brot essen, so denken wir selten daran,wer alles sich darum bemühen mutzte. Der Bäcker hat es ausMehl gebacken. Das Mehl aber hatte er vom Müller gekauft;dieser mahlte es in seiner Mühle aus Korn. Woher aberkommt das Korn? Der Landmann hat Getreide gepflanzt. Alsdann die Halme hoch und gelb geworden und ihre Ähren reifund voll Körner waren, da hat er sie abgeschnitten und geerntet.In der Scheune wurden dann die Körner aus den Ähren ge-droschen, in Säcke gesammelt und dem Müller verkauft. Eineganze Reihe Menschen arbeiteten, bis ein Laib Brot zustande kam.Diele Hände mutzten zusammenarbeiten, bis unsere Nahrungs-mittel und Kleider, unsere Werkzeuge, Möbel und Hausgeräteund unsere Wohnungen zum Gebrauche fertig waren. Ohne denBauer bekommt der Müller kein Korn und ohne den Müllerder Bäcker kein Mehl, und ohne den Bäcker erhalten wir keinBrot, und so ist es überall, wohin wir sehen; alle sind auf ein-ander angewiesen. Wir bekommen das Brot nicht umsonst; wirmüssen es mit Geld bezahlen. Der Bäcker mutz dem Müller fürdas Mehl ebenfalls Geld geben, und auch der Bauer will für dasKorn vom Müller bezahlt fein. Wir kaufen mit Geld und verkaufengegen Geld. Früher tauschten die Leute manchmal einfach Warengegen Waren, z. B. ein Stück Meh gegen Korn oder gegenWerkzeuge,- das kommt jetzt selten mehr vor,' man handelt gegenGeld. Darum wünscht sich jeder recht viel Geld, und wer vielhat, der wünscht sich noch mehr.

Geld verdient man durch Arbeit. Die Leute wollen damitihre täglichen Ausgaben für Nahrung, Kleidung, Wohnung usw.bestreiten, also ihrtägliches Brot" verdienen, oder wie manauch sagt,ihr Auskommen finden."

Im Steinbruch gewinnen die Steinbrecher Steine und inder Kiesgrube die Kiefer Kies und Sand. Anderorts gibt esauch Leute, welche Lehm oder Torf aus der Erde graben. Mitdiesen Gütern kann sich der Mensch aber nicht ernähren undnicht kleiden; er mutz die Erzeugnisse seiner Arbeit, die er