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Karl: Aber, Vater, das mußt du bald tun; deuu morgenum neun Uhr will der Nachbar klagen, und dann muß es da sein.
„Gewiß," sagte der Vater; „jetzt wollen wir Gott loben,daß er uns die guten Gedanken gegeben hat und uns die Freudeschenken will, dem armen Barthel zu helfen ; dann »vollen wirschlafen, und morgen um sechs Uhr will ich alles besorgen."
Und als sie das getan hatten, schliefen sie ruhig und alsbaldein. —
Und ain andern Morgen rief Aruer dein Nachbar und fragteihn, »vie viel ihm Barthels Vater schuldig sei; und da es dreißigFranken waren, legte er zu Karls zehn Franken noch zwanzigund gab sie ihm. Karl aber zog sich schnell an, lief zu Barthelund sagte es ihm. Da war Freude! Dein lieben Gott wardherzlich gedankt, und Barthel spielte nun wieder heiter und frohinit den andern Knaben. Pestalvzzi
135. Der ttaininseger.
1. Einmal ging ich beim Müdchenschulhans vorbei. Als ichankam, traten die Mädchen aus der Schule, alle lustig wegender Ferien von Allerheiligen und Allerseelen. Und da sah ichetwas Schönes. Vor dem Schulhause, auf der andern Seite derStraße, stand, den Arm an eine Mauer gestützt und den Kopfauf den Arm gelegt, ein ganz kleiner Kaminfeger, schwarz iinGesichte, init seinem Sack und seinem Schabeisen, und weinte undschluchzte heftig. Zwei oder drei Mädchen der dritten Klassenäherten sich ihm und fragte»»: „Was hast du, daß du so weinst?"Aber er antwortete nicht und weinte noch stärker. — „Abersage doch, »vas du hast, daß du weinst," fragten ihn die Mädchenwieder. Nun erhob er sein Gesicht von» Arme — eii» Kiudergesicht —und erzählte weinend, daß er in mehrere»» Häusern gewesen sei,um Kamine zu fegen, daß er dreißig Fünfer verdient, sie aberverloren habe; sie waren ihm durch einen Riß der Tasche ge-fallen, — er zeigte den Riß — und nun »vage er nicht, ohne