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„Laß schlagen, Kind, laß schlagenund bleib bei mir zu Haus!
Mancher Jungknab zog zu Kriegeund kam nicht mehr heraus."
„Die Trommel und ihr Schlagenhör ich bei Tag und Nacht,hat mich um alle Freude,um alle Ruh gebracht."
„Deut Vater starb im Kampfe,und du, mein einzger Sohn,wirst auch im Streit verderben;das weiß ich Ärmste schon."
„Mein Leben und mein Sterben,ist all auf Gott gestellt;mir wird kein schöner Ende,denn vor dem Feind im Feld!"
Schweizer. Jakob Boßhart.
Der Vater war im Schwabenkrieg gefallen. Seine Witfrau, die Hugin,zog ihre beiden Buben ^örg und Erni groß und ward darob alt und tuest»haft. Statt daß der baumstarke Jörg der Mutter verschuldet Gütlein über-nommen hätte, zog er in die Lombardei hinab, dem Herzog von Mailandzu helfen. Und als er einmal heimkehrte, da ließ er feine paar Silber-stücke klingeln, musterte jeden andern Tag sein Gewaffen und erzog sich denBruder nach seinem Geschmack. Mit aufrührerischen Bernern und Soto-thurnern fuhr Jörg bald nach Frankreich hinein und ließ lange nichts mehrvon sich hören. Da hielts auch Erni nicht mehr aus daheim. Nach demersten Schlachttage vor Marignano stießen die beiden Bruder nachts un-vermutet zusammen. Jörg stand auf Seite des Königs von Frankreich;Erni war bei den Schweizern, die den Mailändern halfen. Und weil keinereidbrüchig werden wollte, standen sich die beiden Brüder als Feinde gegenüber.
. . . So plauderten die beiden Brüder leise weiter und ver-gaßen sich halb, bis der Himmel sich im Osten zu färben begann.Dann nahmen sie Abschied voneinander, hastig und fast rauh; denn