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Mitten auf dem welken Nutzen des dicksten Kerlchens ruht ereinen Augenblick. Da liegts, das Eilein, und der Apfelwickler —fliegt davon. — Er flattert aus den Augustapfel zu, der amNachbarbaum hängt, unserm Borsdorfer fast so nahe wie seineBrüder. In das Grübchen, in welchem der Nutzen steht, legt erebenfalls ein Ei. Darauf entschwindet er im dämmerigen Mondlicht.
Am nächsten Sonnentag regt sichs im Butzengehüll; einwinziges Räuplein ist ausgekrochen und beginnt zu schmausen.Mit scharfem Zahn durchbeißen die Räupchen die Apselgrube,bohren sich eine Höhle in das Fleisch des Apfels und sind balddarin verschwunden.
Beide Apfel mühen sich, die Kerne sobald als möglich reiszu machen und dazu jeden Sonnenstrahl aufzufangen. IhreBäckchen röten sich vorzeitig; rosig und gelb leuchten sie nebenihren noch grünen Brüdern.
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Beim Augustapfel lockert sich schon ende Juli der Stiel,löst sich vom Fruchtholz, und der Apfel fällt frühreif vom Baume.
Bald hat ihn die kleine Elfe gefunden. „Der erste Apfelim Jahre!" jubelte sie und biß herzhaft in die roten Backen.Doch schrie sie sogleich: „Er ist ja wurmstichig!" — Da wühltesich auch schon der fette „Wurm" aus dem Kerngehäuse heraus.„Pfui, häßliche Made", schimpfte Elfe noch und warf den Apfelsamt dem kleinen Unhold beiseite.
Widerstandsfähiger erwies sich der Borsdorfer. Obschon ihmdie Raupe im Innern arg zusetzte, hielt er doch standhaft amBaume aus, bis er und seine gesunden Brüder gepflückt und imObstkeller sorgsam auf einer Hürde gelagert wurden. In deräußersten Ecke der Hürde fand unser Borsdorfer für sich einPlätzchen. Drinnen um sein Kerngehäuse nagte und bohrte immereifriger der gefräßige Schmarotzer den Weg für den mastigenLeib und bohrte sich die Ausgangshöhle. Bald schaute der Kopfdurch die Apfelschale, bald hatte die Raupe auch den Apfel verlassen.Sie kroch die Hürde entlang und ließ sich an einem selbst ge-sponnenen Faden zum Kellerboden hinab. Eifrig rührte sie die