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Lesebuch für das sechste Schuljahr der Volksschule des Kantons St. Gallen / nach Vorlage der Lehrmittelkommission hrsg. vom Erziehungsrate
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Sonne, und darüber spannte sich wolkenlos der blaue Himmel.Von der Billion Tautropfen war nichts mehr zu sehn; aufgelösthatten sie sich jeder in Tausende kleiner Wasserstäubchenund schwebten unsichtbar in der blauen Lust. Den ganzen Tagüber war von ihnen auch keine Spur zu sehen. Erst als derkühle Abendwind sie anblies, schmiegten sich die Winzigen engerund enger zusammen und wurden nun in Gestalt dünner Schleierwieder sichtbar. Die Dunstschleier zogen sich dichter aneinander

und ballten sich schließlich zu einer riesigen Wolke am Himmelzusammen. Vorn Winde geführt, flogen sie als Wolke über Ge-birge und Flüsse, über Dörfer und Städte dahin. Unter dengewaltigen Wolkenschatten, den sie auf die Fluren warfen, schautendie kleinen Menschen da unten erstaunt zu ihnen auf und sprachenvon Wolken und Winden und Witterung.

Aus dem Gebirgstal, wo er im Hinterhalt gelegen hatte,stürzte sich der kalte Talwind auf den Südost und überwältigteihn nach kurzem Kampfe. Die Wolke mußte stillhalten, als er siemit kaltem Hauche anblies. Vor Kälte krochen die Wasserstäubcheneng aneinander; kleine Tröpfchen bildeten sich wieder. Schwerwurde ihnen dadurch das Schweben in der Luft. Aus jedemehemaligen Tautropfen formten sich zehn Regentröpfchen, und nunwarteten ihrer zehn Billionen auf den Abmarsch. Das ging so