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Doch Tuschens Bild schwebt überall. —
Das Wasser sinkt; das Land erscheint,
Und überall wird schön Tuschen beweint.
Und dem sei, wer's nicht singt und sagt,
Im Leben und Tod nichts nachgefragt! Goethe.
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Was ein Doktor ausstehen mutz,und wie es ihm ergehen kann.
Es war ein „struber", wilder Wintertag. Schnee wirbelteüber die Erde. Scharf pfiff der Wind über die Fläche,peitschte den Schnee, der Ruhe auf Erden gefunden zu habenmeinte, wieder auf, jagte ihn aufs neue in die Wirbel hinein,bis er sich bergen konnte hinter einer Hecke in einemHohlweg; dort häufte er sich wie Soldaten hinter denSchanzen, wenn Kartätschenhagel die Felder fegt. Öde war'sim weiten, weißen Lande. Nur hie und da durschnitt inschrägem, ängstlichem Fluge eine Krähe die bewegte Lust,die Gefährtin suchend, die vielleicht irgendwo auf einemWehrsteine saß. Langsam bewegte sich ein schwerer Fracht-wagen durch die Ebene. Die Pferde dampften. Den Kragendes Mantels schlägt der ungestüme Sturm dem Fuhrmannum den Kopf. Immer mühsamer drehen sich die mächtigenRäder durch den wachsenden Schnee. Oft weiß man nicht,bewegt sich der Wagen noch, oder sind die bewegendenKräfte aufgezehrt, sind sie am Erstarren. Und doch schwindeter endlich aus dem Gesichtskreise, einem schweren Lebengleich, das unter schwerer Bürde oft stockt und doch fort sichschleppt, lange, lange, bis es endlich schwindet aus den Augender Menschen. Finsterer ward es. Nichts sah man über derEbene als wirbelnden Schnee. Manchmal reichte das Augenicht weiter als der Arm, und oft mußte es sich lange