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Bündner Lesebuch : 7. Schuljahr / hrsg. vom Kleinen Rat ; besorgt von der Redaktions- und Illustrations-Kommission ; ill. von Rudolf Münger
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DerFuchs" habe nicht fressen wollen, sagte der Knecht.Kein anderes Pferd war zu haben. Auch meinte der Doktor,in dem immer dichter werdenden Schneesturm zu Fuß besserfortzukommen als in der Chaise, und so machte er sich zuFuß aus den Weg und zwar in der gleichen Hast, in welcherer den ganzen Tag gewesen war. Er war noch nicht weitgegangen, als er seine Unbesonnenheit einsah. Aber Umkehrenwar nicht seine Sache. Er fühlte sich sehr matt und in sichein Nagen und Drehen, das immer heftiger ward. Er kürzteWege und Besuche ab, so viel als möglich-, aber immerpeinlicher ward ihm zu Mute, immer schwerer das Gehen.Eine unaussprechliche Sehnsucht hatte er nach heim; er hätteJahre seines Lebens, alles, alles darum gegeben, daheimim Bette zu sein. Aber die dazwischen liegende Strecke, eineStunde Weges, schien ihm eine Weltenbahn. Er zählte seineSchritte; aber auch dazu ward er bald zu matt. Er stund stillenach jedem Schritte; aber einen neuen zu tun, ward ihmimmer unmöglicher. Der Schmerz im Innern seines Körpersward zudem immer schneidender. Der Doktor wußte, daßes Kolik sei, und zwar ein Anfall von solcher Stärke, daßer dessen Ausgang nicht berechnen konnte, namentlich hier,verlassen im Schneesturme, nicht. Er konnte nicht weiter; ersetzte sich auf einen Wehrstein und erwartete gefaßt, aberin fürchterlichen Schmerzen, was Gott über ihn verfüge.

Dieser führte ihm Jakobli herbei, einen jungen Bauernaus einem benachbarten Dorfe, der zu Markte gefahrenwar und heimpressierte. Der wußte lange nicht, sollte erseinen Augen trauen: War der auf dem Steine halb ein-geschneite Mensch der Doktor oder nicht? War er es, oderwar er es nicht, da mußte geholfen, nicht bloß im Vorbei-fahren gesagt werden: Gott helf' dir! Jakobli stieg ab undfand richtig den Doktor in seinen Schmerzen, lud ihn auf,packte ihn ein und trieb das Pferd an, so sehr er konnte.Er hatte große Angst, und doch fühlte er eine große Freude